Wenn die Spirale sich abwärts dreht

Die „Großstadtratten“ in ihrem Unterschlupf, einer illegal besetzten Wohnung. Alexander (Mathis Rüsch, Zweiter von links) scheitert daran, seine Freunde aus dem Milieu zu führen.
Die „Großstadtratten“ in ihrem Unterschlupf, einer illegal besetzten Wohnung. Alexander (Mathis Rüsch, Zweiter von links) scheitert daran, seine Freunde aus dem Milieu zu führen.

Rosenstadtschüler inszenieren „Großstadtratten“

shz.de von
19. Juni 2018, 16:17 Uhr

Dass ein Klassiker nichts an Aktualität eingebüßt hat, zeigte der Theaterkurs der 10. Klassen der Rosenstadtschule in seiner Aufführung der „Großstadtratten“. Im Gegenteil, Friedrich Schiller habe ihnen die Geschichte weggeschnappt, allerdings schon vor 200 Jahren, leitete Erzähler Marek Majcher die Vorstellung ein. Der Konflikt von Geschwistern untereinander, das Aufbegehren des Einen gegen Leistung und Druck, das kalte und intrigante Suchen des materiellen Vorteils des Anderen ist das zentrale Motiv der modernen Adaption von Schillers Drama „Die Räuber“.

Und darum ging es: Abiturient Alexander, gespielt von Mathis Rüsch, wird der Schule verwiesen. Die Taten, die ihm zur Last gelegt werden, kann er nicht leugnen, weil jeder glauben will, dass er sie begangen hat. Seine Schwester Franziska (Daria Cala) verweist ihn, vorgeblich als Sprachrohr der Mutter (Zusanna Szydlowska), des Hauses. In der Großstadt gerät Alexander an die falschen Freunde, Gewalt, Alkohol und Drogen sind an der Tagesordnung. Geld für Essen bekommt die Gang nur durch Betrug, Abzocken oder Prostitution, schnell gewinnt die Abwärtsspirale an Dynamik. Auch der Versuch von Emily (Renée Lee Fiedler), ihren Jugendfreund aus dem Milieu zu lösen, scheitert. Als die Mutter verbittert und von Schuldgefühlen gequält stirbt, übernimmt Franziska das Familienunternehmen. Ob Alexander zerbricht und einen Suizid unternimmt, bleibt am Ende bewusst offen.


Das Stück suchten sich die Schüler selbst aus

Das Stück haben sich die Schüler selbst ausgesucht. Nach einer Komödie im vergangenen Jahr haben sie sich diesmal bewusst für ein Drama entschieden. Das Umsetzen des schweren Stoffs sei sehr spannend gewesen, fanden Andreea Popovici und Svenja Röger, die als Freundin Stefanie, als Krankenschwester und Prostituierte auf der Bühne standen. Einige Extrastunden seien dafür notwendig gewesen. Mit dem Ergebnis waren sie sehr zufrieden, auch war die Resonanz aus den anderen Klassen entsprechend positiv.

Mit Klavier, Schlagzeug, Gitarre und Bass unterlegte erstmals Live-Musik ein Theaterstück. Lehrer Jan Pape lobte das Umsetzen des schweren Stoffs und insbesondere die Leistung einiger Schüler, für die Deutsch als ihre Zweitsprache eine besondere Herausforderung beim Lernen ihrer Texte war. Die Technik-AG sorgte für das richtige Licht und den Ton.

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