Bundesliga-Kolumne : Welt-Liga, Chef-Sturz, Porto-Kasse

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht in der Kritik.
FIFA-Präsident Gianni Infantino steht in der Kritik.

Durch eine Club-WM und eine weltweite Nations League würde der nationale Fußball ganz klar ins zweite Glied rücken.

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25. März 2019, 22:05 Uhr

Die Zukunft: Es wird wohl doch so kommen. Nicht morgen, auch nicht übermorgen, aber im nächsten Jahrzehnt. Das mag in vier, vielleicht auch erst in sechs oder acht Jahren der Fall sein. Der Fußball befindet sich in großer Gefahr, die Geldgier nimmt Überhand. Auch in der Bundesliga, in der es für den FC Bayern nicht mehr genug zu verdienen gibt.

Das jedenfalls ergaben Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“. Real Madrid und der FC Bayern – und noch weitere Spitzenclubs dieser verrückten Fußballwelt – sollen bereit sein, ihre nationalen Ligen zu verlassen, um in einer Weltliga anzutreten. Sonnabends zur besten Bundesliga-Zeit. Dann gibt es nicht mehr Bayern gegen Dortmund. Oder gegen Werder Bremen oder den HSV, sollte ihm der Wiederaufstieg ins Oberhaus gelingen.

Rund 25 Milliarden Dollar sind im Spiel, bereitgestellt von Investoren aus dem arabischen Raum. Aus einer Region also, in der Fußball keine große Rolle spielt. Irgendwelche Scheichs wollen uns mit ihren Milliarden den schönen Bundesliga-Fußball rauben, wollen uns den Sonnabendnachmittag oder auch den Abend nehmen. Eine Club-WM und eine weltweite Nations League für Nationalteams. Der nationale Fußball würde ganz klar ins zweite Glied rücken.

Welch ein mieses Spiel von Fifa-Präsident Gianni Infantino. Der Drahtzieher schweigt, dementiert nichts, sagt zu allem nichts. Und Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß finden dies offenbar alles gut. O-Ton Hoeneß: „Her damit.“

Die Fifa-Pläne dokumentieren allzu deutlich, dass es im Profifußball nur noch ums Geld geht. Um Milliarden.

Ein Verein vor dem Umsturz: Hannover 96 plant den Abgang von Martin Kind, der nach den gestrigen Beschlüssen nur noch als Marionette fungiert. Die Vereinsopposition feierte den Machtwechsel bei 96 mit Gesängen wie im Stadion. Bei der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins setzten sich am Sonnabend die Gegner Kinds deutlich gegen die Befürworter des bisherigen Präsidenten durch. Alle fünf Kandidaten der Oppositionsgruppe „Pro Verein 1896“ – inklusive des früheren 96-Kapitäns Carsten Linke – wurden in den neuen fünfköpfigen Aufsichtsrat gewählt.

Mit dieser klaren Mehrheit können die Kind-Gegner nun den Nachfolger des langjährigen Präsidenten einsetzen, der in Zukunft nur noch als Geschäftsführer der ausgegliederten Profifußballgesellschaft agiert. Kind hat ausgespielt, obwohl er viele Millionen in den Verein gepumpt hat. Das ist traurig. Wie auch sein letzter Fauxpas, die Verpflichtung von Thomas Doll. Auf diese sonderbare Idee musste man erst einmal kommen.

Vernunft: Ausnahmsweise einmal beim HSV. Der Zweitligist wird den Vertrag mit Lewis Holtby, der rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr einstreicht und zumeist über seine eigenen Beine fällt, nicht verlängern. Endlich einmal eine kluge Personalentscheidung. Holtby hatte die Fans nicht zuletzt dadurch auf seine Seite gebracht, dass er medienwirksam eine lebenslange HSV-Mitgliedschaft abschloss. Die zahlt er aus der Portokasse.

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