Wegwerfstrom kostet Kunden 350 Millionen

Abgeregelte Öko-Energie so teuer wie noch nie im Land

Unser Hauptstadtkorrespondent Hening Baethge von
19. Juni 2018, 09:59 Uhr

Die Betreiber von Wind- und Solarparks mussten ihre Anlagen in Schleswig-Holstein letztes Jahr so oft abschalten wie noch nie. Fast 3300 Gigawattstunden Strom konnten sie nicht erzeugen, weil sonst eine Überlastung der Netze gedroht hätte. Die für das Abregeln gesetzlich eingeräumten und von den Stromkunden zu tragenden Entschädigungsansprüche stiegen um fast 30 Prozent und erreichten mit 351 Millionen Euro ebenfalls ein Rekordniveau im Land. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Jahresbericht der Bundesnetzagentur für 2017 hervor.

Das Gros des deutschen Wegwerfstroms entsteht damit weiter in Schleswig-Holstein. Allerdings ist der Anteil des nördlichsten Bundeslands gesunken – von 73 auf 58 Prozent. Bundesweit mussten zuletzt gut 5500 Gigawattstunden Strom im Rekordwert von 610 Millionen Euro abgeregelt werden.

Dabei sind die Entschädigungen für den nicht erzeugten Wind- und Solarstrom noch der kleinere Teil der Kosten, den die Verbraucher wegen der Netzengpässe zahlen. Mit 838 Millionen waren die bundesweiten Kosten für nötige Eingriffe auch bei konventionellen Kraftwerken, im Fachjargon „Redispatch“ genannt, noch höher.

Die grüne Bundestagsabgeordnete und frühere Kieler Energie-Staatssekretärin Ingrid Nestle forderte den Bund wegen der steigenden Kosten auf, Ökostrom künftig auch für das Erzeugen von Wärme oder Wasserstoff freizugeben. Zudem verlangte sie ein rasches Abschalten der norddeutschen Atomkraftwerke Brokdorf und Emsland und einen baldigen Kohleausstieg: „Nach wie vor verstopft zu viel unflexibler Kohle- und Atomstrom unsere Netze.“ Leitartikel Seite 2

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