Auslandssemester trotz Pandemie : Warum ein Student aus Borsfleth in Corona-Zeiten nach Jerusalem geht

Auf der Dachterrasse des Österreichischen Hospiz in der Altstadt.
Auf der Dachterrasse des Österreichischen Hospiz in der Altstadt.

Ein Auslandssemester war für Mathes Rausch kein Problem. Er studiert derzeit an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

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06. Januar 2021, 15:57 Uhr

Jerusalem | Corona ist das Thema des Jahres 2020. Ausgehbeschränkungen bestimmen das tägliche Leben. Es ist schwierig, sich mit Freunden und Verwandten zu treffen, geschweige denn zu reisen. In diesen Zeiten ein Auslandssemester zu machen, scheint gar unmöglich. Nicht ganz! Mathes Rausch aus Borsfleth (Kreis Steinburg) studiert derzeit für ein Semester an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Hier sein Bericht.

Warum Jerusalem?

Ein Auslandssemester während Corona zu machen ist die eine Sache, aber warum ausgerechnet in Jerusalem? Normalerweise studiere ich „International Studies“, einen interdisziplinären Studiengang (Politik, Wirtschaft, Geschichte und Kultur) mit dem Fokus auf den Mittleren Osten und Arabisch an der Universität Leiden in Den Haag. Aufgrund meines regionalen Fokus habe ich mich dazu entschieden, nach Jerusalem zu kommen, da es aus religiösen, politischen sowie geschichtlichen Aspekten nicht nur für die Region ein einzigartiger Ort ist. Zusammen mit vier weiteren Studenten wohne ich nun seit etwa zwei Monaten in dem Arabisch geprägten Viertel Bab a-Zahara in Ostjerusalem, etwa fünf Minuten zu Fuß von der Altstadt entfernt. An der Hebräischen Universität belege ich Sprachkurse in Hebräisch und Arabisch sowie regionspezifische Kurse zu den Arabisch-Israelischen Konflikten und Friedensverhandlungen im Mittleren Osten.

Studium online

Der Unterricht findet größtenteils online statt, dennoch habe ich Glück, dass wir in meinem Arabischkurs nur vier Studenten sind und ich somit in-Person Unterricht auf dem Campus habe – natürlich mit Abstand und Maske. Der Campus ist weitestgehend geöffnet, weshalb ich etwa zweimal wöchentlich die Chance nutze, um in einer der Bibliotheken zu arbeiten oder im botanischen Garten zu entspannen. Aufgrund der Lage, auf einem Berg am Rande der Stadt, hat man einen wunderschönen Panoramablick auf Jerusalem, während man bei gutem Wetter in die andere Richtung bis zum Toten Meer und Jordanien gucken kann.

Israel ist quasi eine Insel

Dennoch fragen sich im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen sicherlich viele, wie das Leben außerhalb des Uni-Alltags aussieht. Seit Jahresbeginn ist Israel eine Art Inselstaat – alle Ländergrenzen sind zurzeit geschlossen und Einreisen sind nur in sehr wenigen Fällen möglich. Einer dieser Ausnahmefälle ist ein Studium an einer Universität in Israel.

Neben einem Studentenvisum benötigt man eine extra Einreisegenehmigung der Israelischen Botschaft. Glücklicherweise konnte ich eine zweiwöchige Quarantäne umgehen, da Deutschland zur Zeit meiner Einreise als „grün“ eingestuft war.

Volle Bewegungsfreiheit

Hat man diese Hürden überwunden, so kann man sich relativ uneingeschränkt im ganzen Land bewegen und reisen – es sei denn, es ist Shabbat. Shabbat dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am Samstag und ist im Judentum der Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll und somit auch keine öffentlichen Verkehrmittel fahren. Traditionell gibt es am Freitag Abend ein Shabbatessen.

Da es viele jüdische Studenten im Studentenwohnheim gibt, wurde ich bereits zu einigen eingeladen. Generell darf man sich mit bis zu zehn Personen drinnen und 20 Personen draußen treffen. Daher habe ich bereits viele Studenten kennengelernt. Fast täglich treffen wir uns, um gemeinsam die Stadt zu erkunden, etwas zu Essen oder zu Quatschen. Es gibt immer viel zu erzählen, da viele der Studenten aus unterschiedlichen Ländern kommen und verschiedene Fächer studieren.

Leere Heiligtümer

Während Corona hier zu sein, hat auch Vorteile. Denn wann kann man schon mal Orte wie den Tempelberg oder die Grabeskirche fast alleine erkunden? Ich bin sehr glücklich, zurzeit hier sein zu dürfen und mir theoretisches Wissen durch meine Uni-Kurse anzueignen und praktische Erfahrungen zu sammeln, in dem ich Austauschstudenten sowie Israelis und Palästinenser kennen lerne.


 

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