Vorzeigeprojekt: Autonome Fähre

In Zukunft sollen einmal Fähren ohne Besatzung wie diese „Floating Platform“ auf der Förde unterwegs sein.
In Zukunft sollen einmal Fähren ohne Besatzung wie diese „Floating Platform“ auf der Förde unterwegs sein.

Testgebiet auf der Förde gesucht – Bundesverkehrsministerium unterstützt Kieler Gemeinschaftsforschung von Uni und FH

shz.de von
07. Mai 2019, 10:52 Uhr

Kiel | Sie sieht aus wie aus einem Science Fiction Film, die „Floating Platform“: Eine gläserne und selbst steuernde schwimmende Plattform. Eine Fähre, die über dem Wasser zu schweben scheint: Das ist die Zukunftsvision autonomer Schifffahrt auf der Kieler Förde – entwickelt von Industriedesign-Studenten der Muthesius-Kunsthochschule. Doch schon jetzt arbeiten Forscher in der Landeshauptstadt am konkreten Plan, Fähren ohne Besatzung zwischen dem Kieler West- und Ostufer pendeln zu lassen – ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt.

Derzeit wird ein Testgebiet auf der Förde gesucht. Schiffbaustudenten der FH planen unterdessen schwimmfähige Fähr-Modelle auf Basis der Muthesius-Entwürfe. „Die Vision ist also ziemlich realistisch“, sagt Projektleiter Dr. Karsten Pankratz. Schon der Projektname klingt maritim: Hinter „CAPTin Kiel“ („Clean Autonomous Public Transport“ – sauberer und autonomer öffentlicher Verkehr) stehen Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität (CAU) und der Fachhochschule (FH) in Kiel.

Jetzt haben sich die Projektteilnehmer im Kieler Wissenschaftszentrum mit ihren Partnern und dem Bundesverkehrsministerium darüber ausgetauscht, wie ein digitales Testfeld für die autonome Schifffahrt auf der Kieler Förde aussehen könnte. Neben der räumlichen Ausdehnung des Feldes, notwendigen Sensor-Ausstattungen an Bord der Schiffe und am stationären Testgebiet ging es auch um die Begleitforschung zu dem ambitionierten Schifffahrtsprojekt. Ein erstes Testareal in einem Sperrgebiet der Bundesmarine steht bereits zur Verfügung. „Ziel muss jedoch die Fördequerung zur Entlastung des Straßenverkehrs sein“, so Pankratz. Dies sei aufgrund des starken Schiffsverkehrs auf der Förde eine sehr hohe Herausforderung. Auch die Seerechtsprechung sei noch nicht auf autonome Schiffe ausgelegt.

Ziel der Wissenschaftler: eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur in der Kiel-Region mit einer Verlagerung auf das Wasser. So sollen ÖPNV-Nutzer mit elektrisch betriebenen und autonom fahrenden Bussen zu den Fähranlegern transportiert werden – und dort in autonome E-Fähren umsteigen.

Ein innovatives Projekt mit fächerübergreifendem Ansatz: Insgesamt 16 Arbeitsgruppen der Uni und der Fachhochschule Kiel sowie die Muthesius-Industriedesigner arbeiten seit Mai 2017 zusammen mit Firmen der Werft- und Zulieferindustrie aus Schleswig-Holstein an der technologischen Umsetzung des Themas. Die Landeshauptstadt Kiel stellt benötigte Infrastruktur zur Verfügung.

Egal wie weit der Weg zur autonomen Fähre noch ist – Uni-Präsident Professor Lutz Kipp sieht schon jetzt in „CAPTin Kiel“ ein „Vorzeigeprojekt“.

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