Vor Brand und Abriss gerettet

Reetdachhaus an der Hauptstraße in Schenefeld war von Feuer bedroht / Besitzer Klaus Ramcke wollte das Gebäude abreißen lassen

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27. Juli 2018, 16:00 Uhr

Gelegen in der Hauptstraße direkt gegenüber vom Uetersener Weg und dem alten Bauernhaus des Landwirtes Sagemann steht das alte, ansehnliche Reetdachhaus der Ramckes. Im Jahr 1995 verkaufte der letzte dort ansässige Landwirt Klaus Ramcke das Haus und einen Teil seiner Flächen an die Firma Terrabaltic, die neben und hinter dem Gebäude eine Wohnbebauung erstellte.

Ursprünglich hatte der Großvater Hermann Ramcke, der aus Eidelstedt stammt, den Hof im Jahr 1910 gekauft. Vorher gehörte er zum Besitz des Bauern Sagemann, dem Schwiegervater von Herrmann Ramcke. Dieser verlangte damals den Kaufpreis nicht in Papiergeld sondern in den zu der damaligen Zeit üblichen Goldtalern. In der Zeit der Nationalsozialisten war Herrmann Ramcke dann von 1933 bis 1945 zwölf Jahre lang Bürgermeister von Schenefeld. Der Sohn von Hermann Ramcke hieß ebenfalls Hermann und ersetzte nach dem Erbe des Gebäudes im gesamten Wohnbereich alle alten Holzdecken durch Betondecken. So fühlte er sich sicherer, falls das Haus einmal von Feuer bedroht sein sollte.

Zu einem Brand wäre es in der Anfangszeit von Klaus Ramcke als Landwirt dann auch beinahe gekommen. Er hatte das Heu wohl ein wenig zu früh auf den Heuboden eingebracht und so stand es kurz vor der Entzündung, als er mit dem Fahrrad nach Hause zurück kam. Der Heuboden und der gesamte Stallbereich waren bereits stark verqualmt. Die Feuerwehr rückte an und versuchte das Feuer mit Wasser zu bekämpfen. Kurzerhand wurde in die Giebelseite über der Stalltür ein großes Loch ins Mauerwerk geschlagen und das Heu auf Anhänger geschaufelt. Beim Abladen stand es dann endgültig in Flammen und auch im Heuboden schlugen bald die Flammen in dem noch nicht verladenen Heu auf, konnten jedoch rechtzeitig gelöscht werden, bevor größerer Schaden entstand.

Ramcke hatte den Hof mit zirka 35 Hektar von seinem Vater übernommen und führte ihn in dritter Generation bis zum Verkauf des Gebäudes und einer Teilfläche an die Immobilienfirma, da seitens der beiden Söhne kein Interesse bestand, die Landwirtschaft weiterzuführen. Hinter dem bebauten Gelände, abgeschirmt und geschützt durch einen hohen, bepflanzten Wall, liegt heute in der Straße Achter de Hoef sein neues Haus mit großem Garten und einem wunderbar angelegten Teich. Die restlichen Flächen sind heute an andere Landwirte verpachtet. Anstatt des Verkaufs war eigentlich geplant, das Reetdachhaus abzureißen und dort ein neues Wohngebäude zu bauen. Viele Nachbarn und auch der damalige Bürgermeister Günter von Appen setzten sich aber für den Erhalt des Altbestandes ein und so kam es dann zu der Lösung mit dem Teilverkauf seiner landwirtschaftlichen Flächen zur Wohnbebauung.

Das Reetdachgebäude wurde dann geteilt und beherbergt heute in der Hausnummer 90 eine Immobilienfirma, die den Stallbereich ausbaute und die Stalltür durch eine große dreiteilige Glastür und einen schönen Glasrundbogen im Bereich über der Tür ersetzten. Im Obergeschoss, wo sich der Heuboden befand, wurden drei Fenster eingesetzt. Im Jahr 2016 wurde dann das Reetdach an der Straßenseite neu eingedeckt und erhielt eine große Gaube. Dadurch wird auf dem ehemaligen Heuboden ein zusätzlicher Bereich zum Wohnen möglich. In Hausnummer 92, der linken Seite des Hauses, dem ehemaligen Wohnbereich der Ramckes, ist heute eine Praxis für Physiotherapie untergebracht.

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