Viel Kunst und eine besondere Aura

Freuen sich auf viele Besucher auf „Neuwerk“: Hans-Leve (li.) und Karen Melfsen sowie Rolf Johannsen vom Weissen Ring.  Fotos: werner (2)
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Freuen sich auf viele Besucher auf „Neuwerk“: Hans-Leve (li.) und Karen Melfsen sowie Rolf Johannsen vom Weissen Ring. Fotos: werner (2)

Familie Melfsen öffnet am Wochenende 10 000 Quadratmeter großen Garten für Besucher / Aktionen zu Gunsten des Weissen Rings

shz.de von
14. Juni 2018, 08:19 Uhr

„Wir wollen etwas zurückgeben.“ Die Motivation von Karen und Hans-Leve Melfsen, sich an der landesweiten Aktion „Offener Garten“ zu beteiligen, ist ebenso besonders wie die Gestaltung ihres rund 10 000 Quadratmeter großen Grundstücks, das sich von der Warft ihres 1770 erbauten Hofes in Galmsbüll in die weite Marsch erstreckt.

Die Dankbarkeit darüber, noch zehn Jahre mit dem lebensbedrohlich erkrankten Ehemann und Vater hier auf „Neuwerk“ leben zu können, ist der Anlass dafür, dass die Melfsens im Gottesgabener Weg 1 – drei Kilometer entfernt von Niebüll – am kommenden Sonnabend und Sonntag, 16. und 17. Juni, bereits zum fünften Mal für einen guten Zweck Besucher in ihrem Garten willkommen heißen. Eintrittsfrei, jeweils von 11 bis 17 Uhr, mit besonderen Nischen und Aktionen, die in diesem Jahr für den Weissen Ring Nordfriesland Nord bestimmt sind. „Wir freuen uns sehr darüber und werden an beiden Tagen auch mit einem Infostand präsent sein“, sagt Leiter Rolf Johannsen.

Vom ersten Moment an ist es spürbar – diesen Hof umgibt eine besondere Aura. Es gibt keine akkurat geharkten Beete, auch keinen Golfplatz tauglichen Rasen, dafür aber jede Menge schöne Ausblicke, Anblicke und Sichtachsen. Vor allem durch besondere Kunstobjekte – moderne, große Tropfen, die sich in einer kleinen Lichtung drehen, oder auch die Milchkanne aus Großmutters Zeiten, um die sich Efeu ranken darf.

„Für die Kunst im Garten bin ich zuständig“, sagt Hans-Leve Melfsen. Mutter Karen ist sogar Künstlerin. Als sie nach mehr als 40 Jahren ihr Modegeschäft in Niebüll für ihren erkrankten Mann aufgab, suchte sich die Kreativität der in ihrer Art fast jugendlich wirkenden Mit-Siebzigerin einen neuen Weg. Und fand ihn in einer beachtlichen Sammlung von Acrylgemälden. „Jedes Bild steht für einen besonderen Moment in meinem Leben. Bis heute weiß ich, was ich in all diesen Augenblicken gefühlt habe, was mich bewegt hat“, sagt Karen Melfsen – ob es sich um einen freundlichen, farbenprächtigen Blumenstrauß oder ein düsteres Szenario mit Mond handelt.

Rund 200 Werke hängen heute in ihrer Warft-Galerie – einem umgebauten Schafstall. Verkäuflich sind diese zwar nicht, aber die Postkarten, die es von den Bildern gibt. Der Erlös davon und auch der von einem Bücherflohmarkt sind für den Weissen Ring bestimmt, der sich um die Opfer von Gewalt und Kriminalität kümmert. Für diesen Zweck werden zudem Spenden gesammelt.

Auch florale Hingucker finden sich natürlich in dem riesigen Garten. Zum Beispiel außergewöhnliche Pflanzen-Kombinationen – Edel- mit Stockrosen oder Zitronenapfel mit Clematis. 13 Sitzecken werden die Besucher zum Verweilen einladen. Ruhe spendet dabei besonders jene auf einer kleinen Holzterrasse an einem aufgestauten Naturteich – mit unendlich weitem Blick in Richtung Nordsee. Auch dort wird die gewachsene Inszenierung von einigen Kunstwerken zusätzlich bereichert.

Auf dem Hof scheint nichts ohne Sinn und Bewusstsein zu geschehen. Bei den Obstbäumen wurden nur seltene, alte Sorten berücksichtigt. Gleiches gilt für die Hühner, die auf der Obstwiese laufen, von denen einige Arten sogar vom Aussterben bedroht sind. „Die Eier schmecken so viel besser als die aus der Massentierhaltung“, sagt Karen Melfsen. Kräftig und groß sind denn auch die Hühnereier von Neuwerk – ob mit grüner oder schokobrauner Schale. Das auf den Hochbeeten angebaute Gemüse wird auf diesem Hof nur auf natürliche Weise vor Schädlingen geschützt.

Wie auch die zahlreichen Stauden wachsen die Gurken und Kartoffeln derzeit prächtig. Nach dem langen kalten Winter hatten die Melfsens sich schon Gedanken gemacht, ob alles Mitte Juni so prächtig wie sonst blühen wird. „Die Sorge war umsonst, die Natur hilft sich immer selbst“, sagt die Hofbesitzerin – mit Blick auf einige prächtige, pinkfarbene Blüten der Rose „Da Vinci“, die auf dem mit Kaffee und Kuchen bestückten Tisch auf einer der Hofterrassen steht. Jeden Tag genießen die Melfsens den dortigen Ausblick, die Weite und Ruhe. Beide betonen: „Wer so wohnen darf, der braucht nicht in den Urlaub zu fahren.“

In Südtondern gibt es noch einen weiteren „Offenen Garten“, und zwar im Dagebüller Ortsteil Waygaard, bei Petra und Stephan Wiese, Osterbollhaus 3. Ein 1800 Quadratmeter großer, naturnaher Garten mit altem Baumbestand, Hecken, Staudenbeeten, Rosen, Wild- und Heilkräutern. Infos: www.offenergarten.de

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