Verspätungen, Zugausfälle, marode Infrastruktur

Es fährt kein Zug... in Klanxbüll.
Es fährt kein Zug... in Klanxbüll.

Die Bahn bekommt die Probleme auf der Strecke nach Sylt nicht in den Griff

shz.de von
28. August 2018, 21:05 Uhr

Seit Monaten sorgen die Zugausfälle und Verspätungen auf der Bahnstrecke nach Sylt für Verärgerung. Gestern Abend trafen sich Akteure unter anderem von Bund, Land, Kreis, Bahn und Pendlerinitiative in Niebüll zum zweiten Bahngipfel, um über das Debakel zu beraten.

Wie ist die Lage aktuell?

Obwohl die DB Regio seit Monaten verspricht, dass es auf der Marschbahn besser werden soll, ist die Lage immer noch desolat. „Außer dem Einsatz von einem Doppelstockwagen-Zug kann ich leider keine signifikante Verbesserung feststellen“, sagt Verkehrsminister Bernd Buchholz. Eher das Gegenteil sei der Fall: „Die ungeplanten Zugausfälle nehmen zu und häufen sich – jetzt teilweise auch auf anderen Strecken in Schleswig-Holstein.“ Auch Pendler, Unternehmer und Kommunalpolitiker sehen keine echte Besserung.

Warum gibt es gerade auf dieser Strecke so viele Probleme?

Das hat verschiedene Gründe. Kernprobleme für die vielen Verspätungen und Zugausfälle sind nach Ansicht von Kritikern fehlende Investitionen in die Schienen sowie in das Wagen- und Zugmaterial. Auch die Eingleisigkeit auf weiten Teilen der Strecke und die hohe Zugdichte spielen eine Rolle. Eine kleine Verspätungsursache reicht aus, um die Pünktlichkeit für den ganzen Tag ins Wanken zu bringen. Der Grund: Alle Zugtrassen sind belegt, und es gibt keine Möglichkeit, eine leichte Verspätung wieder zu egalisieren. Das führt zu vielen Ausfällen und Verspätungen.

Wer ist besonders davon betroffen?

Besonders betroffen sind die vielen Tausend Arbeitnehmer, die jeden Tag vom Festland auf die Insel pendeln. Für sie ist es eine besondere Belastung, nicht zu wissen, ob sie pünktlich zur Arbeit kommen oder abends rechtzeitig zu Hause sind, um ihre Kinder aus der Kita abzuholen. Aber auch die Sylter Arbeitgeber leiden unter den Problemen auf der Marschbahn. Für sie ist es schwer, Fachkräfte auf die Insel zu locken oder ihr Personal zu halten.

Bekommen Pendler bisher Entschädigungen oder irgendwie Ersatz?

Minister Buchholz hat in den Monaten Februar bis Juli Zahlungsabzüge (Sondermalus) von zumeist 350 000 Euro verhängt. Im Mai waren es 500 000 Euro. Das einbehaltene Geld soll als Entschädigung an die Pendler ausbezahlt werden. Die Überweisungen an die Fahrgäste belaufen sich für Februar bisher auf rund 130 000 Euro. Auch für die Monate März, April und Mai sind bisher mehr als jeweils 100 000 Euro ausgezahlt worden.

Was hat die Bahn bisher versprochen?

Die Bahn will in den kommenden Jahren zur Sanierung der Infrastruktur 160 Millionen Euro in die Strecke investieren. Zudem sollen bis Ende 2019 alle Bahnhöfe so umgebaut werden, dass bis zu zwölf Wagen an den Bahnsteigen halten können – zwei Wagen mehr als bisher. Zudem hat der Einsatz von Doppelstockwagen für eine leichte Entspannung bei den Platzkapazitäten gesorgt.

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