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Uni Kiel rechnet nach: Reform der Lehrerausbildung wird teurer als geplant

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wird die geplante Reform der Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein finanziell zum Fass ohne Boden für das Land? Das Präsidium der Uni Kiel präsentierte gestern weitere Berechnungen für nötige Investitionen am Standort der Uni Flensburg, die die Angaben der Landesregierung bei weitem übersteigen.

Allein der Aufbau einer Bibliothek für die Geisteswissenschaften am Standort Flensburg werde bis zu zehn Millionen Euro kosten, erklärte CAU-Kanzler Frank Eisoldt. Zudem fehle es für die Ausbildung im Fach Sport in Flensburg – anders als in Kiel – an der nötigen Infrastruktur.Zuvor hatte die Uni Kiel die Investitionen für den Aufbau von Laboren für die naturwissenschaftlichen Fächer mit 55 Millionen Euro beziffert. Grundlage der Prognosen seien allgemein zugängliche Daten für Ausstattungskosten, sagte Eisoldt. Bei der Finanzierung auf Bundesmittel zu setzen, sei „völlig unrealistisch“. Da die Landesausgaben für die Hochschulen gedeckelt seien, könne das Projekt nur zu Lasten der Uni Kiel gehen.

Das Wissenschaftsministerium hatte die Investitionskosten für den Aufbau neuer Strukturen zur Ausbildung von Lehrkräften auf Sekundarstufe-II-Niveau mit lediglich 1,2 Millionen Euro angegeben. Für den laufenden Betrieb rechnet die Landesregierung ab 2019 mit jährlichen Kosten von 1,35 Millionen Euro. Die Zahlen seien „seriös“ und die Reform damit „machbar“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Der Kieler Uni-Präsident Gerhard Fouquet erneuerte seine Bereitschaft zur „sachgerechten Diskussion“ über die künftige Lehrerausbildung. „Wir sind weiter gesprächsbereit.“ Bedingung sei die Einbindung einer Expertenkommission, die seriöse Berechnungen und eine nachvollziehbare Projektplanung vorlege. In diesem Fall könne er sich jedoch nicht vorstellen, dass das Gesetz zur Lehrerbildung wie geplant noch vor der Sommerpause verabschiedet werde.

Wissenschaftsministerin Waltraud Wende lehnte die Forderung ab. Es könne nicht angehen, dass weiterhin Lehrkräfte ausgebildet werden, die nicht mehr zu unseren Schularten passten. „Für diese Erkenntnis brauchen wir keine externen Experten oder neue Kommissionen,“ sagte Wende. Auch die Uni Flensburg reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag aus Kiel und verwies auf die anstehenden Beratungen des Landtags.

Nach den Plänen der Landesregierung sollen in Flensburg künftig in 13 Fächern Sekundarstufenlehrer bis zur Klasse 13 ausgebildet werden. Die Uni Kiel zweifelt angesichts sinkender Schülerzahlen am „bildungspolitischen Sinn“ des Aufbaus einer nahezu flächendeckenden Doppelstuktur im Sekundarlehramt. Einen von der Uni Kiel unterbreiteten Kompromissvorschlag hatte die Uni Flensburg bei einem Gespräch am Freitag abgelehnt. Danach würden in Flensburg Mittelstufenlehrer ausgebildet sowie in lediglich sieben Fächern Sekundarlehrer (Klasse 5 bis 13). In Kiel würden Sekundarlehrer ausgebildet. Der Bachelor wäre in Flensburg und Kiel gleich, die Masterstudiengänge würden sich unterscheiden. Ministeriumssprecher Schunck wies den Vorschlag indirekt zurück. Kernpunkt des Gesetzentwurfs von Ministerin Wende sei eine gleichwertige Ausbildung zu Sekundarlehrern an beiden Standorten. „Wir wollen eine Lehrerausbildung aus einem Guss.“

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