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Ungewöhnlich stürmisch und zu warm

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wetterexperte verzeichnet auffällige Temperaturen in Schleswig-Holstein

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Den Sturm „Xaver“ erlebt er als einer der Ersten: Anfang Dezember ist Matthias de Vries von der Schleswiger Wetterstation für zwei Wochen auf Helgoland. Er schiebt Dienst, als der zweite Orkan der Saison über die Nordsee rauscht und Schleswig-Holstein für 24 Stunden lähmt. „Das war eine sehr schöne Erfahrung“, sagt er – „da wird man entschleunigt“. Drei Tage waren die Inselbewohner auf sich allein gestellt – keine Post, keine Lebensmittel konnten vom Festland geliefert werden. Für die Bewohner kein Problem – die Uhren auf Helgoland ticken anders. „Und wir machen uns Sorgen, wenn wir zu einem Termin fünf Minuten zu spät kommen oder regen uns auf, wenn die Bahn nicht pünktlich kommt. Verrückt.“

Zwei Stürme mit derartig hohen Windgeschwindigkeiten – „Christian“ brachte am 28. Oktober Böen von bis zu 191 km/h, „Xaver“ am 6. Dezember von bis zu 160 km/h – so schnell hintereinander, das sei schon ungewöhnlich, sagt de Vries. Denn dass der Klimawandel mehr Stürme bringt, kann der Wettertechniker nicht beobachten: „Anfang der 90er Jahre hatten wir eine leichte Häufung von Stürmen, aber insgesamt werden es nicht mehr.“

Da sind die Temperaturen schon auffälliger. „2013 war im Vergleich zum langjährigen Mittel zu warm“, sagt de Vries – das Jahr liegt damit im Trend. Großen Anteil daran hatte der sonnige Sommer: 305 Sonnenstunden haben die Schleswiger im Juli gezählt – 43 Prozent mehr als üblich. Auch im August gab es mit 238 Stunden mehr Sonne als in anderen Jahren. Beide Monate waren zudem deutlich wärmer als normal: Der Juli war durchschnittlich 18,2 Grad (plus 2,4 Grad) und der August 17,3 Grad (plus 1,5 Grad) warm.

Dabei begann 2013 kälter als gewöhnlich: „Der vergangene Winter passte nicht nach Schleswig-Holstein“, sagt de Vries, und meint Temperaturen von bis zu 3,2 Grad unter dem langjährigen Mittel (März) und 46 Tage mit einer geschlossenen Schneedecke zwischen Januar und März. Normal sei eher das aktuelle Wetter – Temperaturen zwischen fünf und acht Grad mit vielen Wolken. „Das ist das feuchte Winterwetter, das uns das maritime, vor allem von der Nordsee beeinflusste Klima beschert“, sagt de Vries. Gerade einmal um die 40 Sonnenstunden pro Monat sind im Dezember und Januar normal, im Januar 2013 zeigte sich die Sonne mit gerade einmal 17,5 Stunden sogar nur halb so lange. Weiße Weihnachten gab es also mal wieder nicht. „Und das war auch früher meistens so“, sagt de Vries. „Wer sagt, dass früher zu Weihnachten fast immer Schnee lag, hat eben nur diese schönen Erinnerungen gespeichert“ – und die grauen Feiertage verdrängt.

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