Umfrage: Niedrige Löhne sind nicht fair

Die meisten Arbeitnehmer haben nichts gegen deutliche Gehaltsunterschiede

shz.de von
12. September 2018, 14:51 Uhr

Die meisten Arbeitnehmer empfinden niedrige Löhne in Deutschland einer Studie zufolge als ungerecht. Wenn etwa Friseure oder Paketboten in Vollzeit nur 1200 Euro brutto im Monat verdienen, ist das für 96 Prozent nicht gerecht, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte. Die Forscher empfehlen, trotz Mindestlohns noch mehr gegen niedrige Einkommen zu unternehmen. Denn: „Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, schraubt seine Leistung am Arbeitsplatz zurück“, sagte Studienautorin Jule Adriaans.

Hohe Einkommen halten die Befragten im Verhältnis demnach für weniger ungerecht als niedrige. Gehen Ingenieure oder Professoren mit 6100 Euro nach Hause, halten 38 Prozent dies für ungerechterweise zu hoch. Jeder zweite hält es indes für gerecht. Grundsätzlich haben die meisten Umfrage-Teilnehmer an deutlichen Lohnunterschieden nichts auszusetzen. „Es wird breit akzeptiert: Wer mehr arbeitet, soll am Ende auch mehr herausbekommen“, sagte Adriaans. Dass die Befragten vergleichsweise hohe Gehälter in Ordnung finden, dürfte auch damit zusammenhängen, dass nicht nach Extremfällen gefragt wurde – zum Beispiel Top-Verdienern wie dem Ex-VW-Chef Winterkorn, der teils mehr als 17 Millionen Euro im Jahr einstrich. „Dort beobachten wir das Brechen des Leistungsprinzips“, kritisierte Liebig. „Das ist das Gefährliche: Wenn der Zusammenhang zwischen Leistung und Entlohnung außer Kraft gesetzt wird.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen