Übernahme kostet 200 Jobs

Buwog-Zentrale in Kiel:  Mit Plakaten werden Nachmieter für die Gewerbeimmobilie gesucht.
Buwog-Zentrale in Kiel: Mit Plakaten werden Nachmieter für die Gewerbeimmobilie gesucht.

Immobilienriese Vonovia schnappt sich die österreichische Buwog / Verwaltung Nord wird dezimiert

shz.de von
06. November 2018, 20:09 Uhr

Die große Heuschrecke hat die kleine verschluckt: Die Buwog Group, ein börsennotiertes österreichisches Immobilienunternehmen mit rund 51 000 Wohnungen – darunter auch 17 000 in Schleswig-Holstein – wurde im Frühjahr vom Marktriesen Vonovia übernommen. Die Folge: Rund 200 Mitarbeiter in den norddeutschen Buwog-Verwaltungen Kiel und Lübeck verlieren ihren Job. Verwaltungsaufgaben werden künftig bei Vonovia in Bochum und Dresden miterledigt.

Ein Hilfsangebot kommt nun vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). Die 340 Verbandsmitglieder können per Internet ihr Interesse an ehemaligen Buwog-Mitarbeitern signalisieren. Davon wurde in den ersten 24 Stunden nach VNW-Angaben schon rege Gebrauch gemacht. „Ziel ist es, möglichst alle der erfahrenen und gut ausgebildeten Fachkräfte unterzubringen“, erklärte gestern VNW-Direktor Andreas Breitner. „Unsere Mitgliedsunternehmen leiden unter Fachkräftemangel und haben zahlreiche unbesetzte Stellen.“ Die Buwog-Mitarbeiter seien kompetent und wollten erfahrungsgemäß gerne im Norden bleiben.

Die Buwog hat an rund 30 Orten im Norden Wohnungen – vor allem in Kiel, Rendsburg, Kaltenkirchen, Norderstedt, Lübeck, Heiligenhafen, Glinde, Ratzeburg, Flensburg und auf Helgoland. Fast alle wurden einst von der öffentlichen Hand gefördert und gehörten der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft LEG. Im Zuge der Haushaltssanierungen wurde das Tafelsilber verkauft: Erst an die HSH Nordbank und die Deutsche Grundvermögen AG, dann an Pirelli Real Estate, dann an Prelios und 2014 schließlich an die Österreicher.

Nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Mieter waren die Verkäufe jeweils mit Zukunftsängsten verbunden. Im Vorfeld der Übernahme durch Vovonia hatte Frank Hornschu, Chef des DGB Kiel Region, das Land vergeblich aufgefordert wieder eine öffentliche Wohnungsbaugesellschaft aufzubauen und die Buwog-Wohnungen zu kaufen. „Wohnen ist Grundrecht, welches dem Markt nicht allein überlassen werden darf“, mahnte der Gewerkschafter.

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