Tui vor schwerem Sommer

Nicht gefragt: Den Tui-Reisebüros fehlen wegen der Corona-Krise die Kunden.
Nicht gefragt: Den Tui-Reisebüros fehlen wegen der Corona-Krise die Kunden.

Reisekonzern will auf 8000 Stellen verzichten / 890 Millionen Euro minus in sechs Monaten

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13. Mai 2020, 20:15 Uhr

Hannover | Der Reisekonzern Tui will Urlauber nach einem verlustreichen Winter so bald wie möglich wieder ans Mittelmeer bringen. Die Corona-Krise hat das Unternehmen vor der wichtigen Sommersaison schwer getroffen: Derzeit verliert Tui jeden Monat eine dreistellige Millionensumme. Tausende Jobs sollen wegen des steigenden Spardrucks gestrichen werden.


Pläne für harten Sparkurs

Bei Tui Deutschland sind bereits viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Der Konzern will die Verwaltungskosten nun um 30 Prozent drücken. Vorstandschef Fritz Joussen sagte bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen gestern in Hannover: „Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen.“ Die Pläne für einen schärferen Sparkurs werden damit konkreter. „Die Tui soll gestärkt aus der Krise hervorgehen“, erklärte Joussen. „Aber sie wird eine andere Tui sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie.“

Im ersten Geschäftshalbjahr (Oktober bis März) verbuchte der Konzern unterm Strich 892,2 Millionen Euro Verlust und war damit mehr als zweieinhalbmal so tief in den roten Zahlen wie im Vorjahreszeitraum. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stürzte um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank leicht um 0,6 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Um seine Zahlungsfähigkeit zu sichern, bekommt der Konzern über die staatliche Förderbank KfW einen Kredit von 1,8 Milliarden Euro. Joussen betonte, dies sei wichtig – man müsse aber auch mit neuen Ideen eine rasche Rückkehr zu einem stabilen Geschäft gewährleisten. Derzeit flössen monatlich 250 Millionen Euro an Barmitteln aus dem Unternehmen ab. Je länger der Reisestopp gelte, desto eher würden auch Kunden ihre Anzahlungen zurückfordern.

Der Mittelabfluss könne dadurch noch um 100 bis 200 Millionen Euro steigen. „Insofern müssen wir möglichst schnell versuchen, unser Geschäft wieder aufzunehmen.“ Die Lage bleibe unsicher, sagte Joussen: „Es gibt keine Zusagen, keine Planbarkeit, wann Flugreisen und Schiffsreisen aus Deutschland wieder möglich sind.“ Dennoch hofft Tui, möglichst große Teile der im März fast komplett eingestellten Aktivitäten bald wieder aufnehmen zu können. Bisher hat Tui Deutschland alle Reisen bis 14. Juni abgesagt.Bei Tui ist das Sommerprogramm derzeit nur zu 35 Prozent ausgebucht. „Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern“, sagte Joussen.

Optimistisch gab sich der Tui-Chef mit Blick auf Spanien und Griechenland: Sofern die Infektionszahlen regional relativ gering blieben, gebe es „keinen Grund, dass man dort nicht hinreisen könnte“.

Dabei müsse der Gesundheitsschutz Priorität haben. „Der Urlaub in Europa, wenn er denn sicher ist, sollte möglich sein.“ Ein gutes Signal sei, dass sich bei den Buchungen für 2021 eine Verdoppelung der Nachfrage abzeichne. Eine „volle Erholung“ komme aber wohl erst 2022, schätzt Joussen die Lage ein.


Keine Alternative zu Urlaubsreisen?

Der Tourismus gehört mit dem Luftverkehr und dem Gastgewerbe zu den Branchen, die die Pandemie am schwersten trifft. In Berlin, Frankfurt, Hannover, Leipzig, Dresden und anderen Städten demonstrierten Inhaber von Reisebüros und mittelständische Reiseunternehmer daher mit Bussen für staatliche Hilfe. Verluste im Winter sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt wegen der Viruskrise jetzt aber große Probleme. Flüge und Kreuzfahrten fallen aus, viele Länder haben das öffentliche Leben eingeschränkt.

Den Hotelbetrieb will Tui schrittweise wieder aufnehmen. Zum Schutz vor Infektionen ist etwa vorgesehen, dass Kunden online einchecken, Abstandsregeln greifen oder die Kapazitäten von Restaurants und Teilnehmerzahlen von Sport- und Unterhaltungs-Events geringer sind.

In einigen Bereichen will Tui das Angebot auch erweitern. Eine Option: „Wir werden Mini-Kreuzfahrten machen. Wir verlegen Schiffe nach Norddeutschland.“ Es gehe um „Kurz-Kreuzfahrten in der Nordsee mit nur 1000 Gästen auf dem Schiff, um auch hier die Sicherheit zu gewährleisten“.

Der Tui-Vorstandschef geht insgesamt von einer Erholung aus: „Sommerurlaub in Europa kann jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden – verantwortungsvoll und mit klaren Regeln.“ Bei Geschäftsreisen erwartet er zwar, dass Homeoffice-Erfahrungen nach der Krise zu einer geringeren Nachfrage führen. Zu Urlaubsreisen gebe es indes kaum eine Alternative: „Was wollen Sie sonst machen? Einen Film schauen?“

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