Die Fußball-Kolumne : Trainer-Irrtum, Hoch-Gefühl, Strand-Formation

Jürgen Muhl thematisiert in seiner Kolumne unter anderem die Trennung von Holstein Kiel und dem Coach André Schubert.

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16. September 2019, 23:02 Uhr

Holstein zieht Notbremse: Die Trennung von André Schubert kommt nicht überraschend. Seine Art von Trainer-Typ passt nicht zu Holstein Kiel – wie in dieser Kolumne bereits kurz nach der Verpflichtung angemerkt. Der introvertierte Schubert, der sowohl in Mönchengladbach als auch beim FC St. Pauli gescheitert war, zudem in Braunschweig die Sachen hinwarf, als er schon zugesagt hatte, war eine Notlösung. Weil mehrere Kandidaten abgesagt hatten, erhielt der unnahbare Coach in Kiel eine Chance, die er nicht genutzt hat.

Oder auch nicht nutzen konnte, weil seine Fußball-Philosophie nicht der Kieler Struktur entspricht. Das hätte man bei Holstein wissen müssen, insofern trifft Sportchef Fabian Wohlgemuth eine Mitschuld an dem sportlichen Desaster. Im Umfeld – insbesondere bei den namhaften Hauptsponsoren – stieß Schuberts Art der Kommunikation vom ersten Tag an auf Unverständnis. Offenbar war es bei der Verpflichtung des eigenartigen Trainers zwischen der sportlichen Leitung und dem Aufsichtsrat zu Fehlinterpretationen gekommen. So etwas gibt es im Holstein-Apparat nicht häufig.

Umso mehr sollte der Sachverstand im Umfeld bei der Neubesetzung eine Rolle spielen. Wer auch immer zukünftig das Sagen auf der Trainerbank der „Störche“ hat – es sollte keine Übergangslösung sein. Der überraschend als Nachfolger von Schubert gehandelte U23-Trainer Ole Werner wäre eine solche Lösung – mehr nicht. Zwischen Regionalliga und 2. Liga liegen Fußball-Welten. Holstein sollte einen erfahrenen und angesehenen Trainer holen. Ein Abstieg wäre nicht nur bitter, sondern auch teuer.

Spannung ganz oben: In dieser Verfassung hat die 1. Bundesliga allergrößten Unterhaltungswert. Borussia Dortmund fertigt Bayer Leverkusen mit 4:0 ab, die Bayern kommen über ein 1:1 in Leipzig nicht hinaus, Werder Bremen gewinnt bei Union Berlin mit 2:1 und verabschiedet sich aus dem Tabellenkeller. Borussia Mönchengladbach hält nach dem 1:0-Sieg in Köln Anschluss an die Spitze.

Das Hochgefühl in Leipzig hält also an, schließlich sind die Sachsen weiterhin Tabellenführer. Vor Dortmund und – man mag es kaum glauben – dem SC Freiburg. Die Schwarzwälder haben großen Beifall verdient. Sie zeigen mit einem der geringsten Etats der Eliteliga sehenswerten Fußball. So wie gestern beim 3:0-Sieg in Hoffenheim. Freiburg mit seinem charismatischen Trainer Christian Streich tut der Bundesliga so richtig gut.

Das Ende einer Legende: Ein Kult-Trainer der ersten Stunde in der Bundesliga ist mit 93 Jahren gestorben. Rudi Gutendorf hatte 55 Trainerstationen in 32 Ländern und schrieb zu seiner HSV-Zeit die Aufstellung in den Sand am Sylter Strand. Der damalige HSV- Präsident Peter Krohn nickte die Formation aus dem Strandkorb heraus in Badehose ab und schmiss Gutendorf wenige Wochen später raus. Über diese Geschichte wird noch heute in der „Letzten Kneipe vor England“ in der Westerländer Friedrichstraße geschmunzelt. Es war das Stammlokal von Rudi Gutendorf. Er saß am Runden Tisch und dozierte über Fußball.Volksnah und freundlich.

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