zur Navigation springen

Tourismus: Mehr Gäste – zu wenig Auszubildende

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Urlauber im Norden hat in den ersten elf Monaten des Jahres 2013 zugenommen. Nach Angaben der Touristik-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) übernachteten von Januar bis November vergangenen Jahres 1,5 Prozent mehr Gäste in Hotels und Pensionen als im Vorjahreszeitraum.

Damit liegt Schleswig-Holstein über dem Bundesdurchschnitt von einem Prozent. Allein im November entschieden sich 4,4 Prozent mehr Gäste für einen Besuch als im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen in diesem Monat stieg um 3 Prozent. Den Grund für die Zuwächse sieht Stefan Scholtis, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Landesverbands, in der Mehrwertsteuerreduzierung und den daraufhin getätigten Investitionen im Norden. „Die Gäste merken, hier tut sich mehr.“ Allerdings sieht er kaum spürbare Steigerungen beim Umsatz. Den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegten Mindestlohn lehne man rigoros ab, so Scholtis, sehe dadurch aber keine tief greifenden Veränderungen auf das Hotel-und Gaststättengewerbe zukommen. „Wir zahlen jetzt schon in den meisten Fällen den Tarif knapp unter dem Mindestlohn. Ein großes Problem gebe es hingegen im Ausbildungsbereich. „Durch den demografischen Wandel haben im vergangenen Jahr schon bis zu 800 Auszubildende gefehlt.“ Scholtis befürchtet, dass es im laufenden Jahr noch dramatischer werden könnte.

Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Schleswig-Holstein Nord sieht die Schuld am Mangel an Auszubildenden hingegen in den allgemein schlechten Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Das spricht sich eben unter den jungen Leuten immer mehr herum. Wie soll man denn nach der Ausbildung von 1500 Euro brutto eine Familie ernähren ohne aufzustocken?“ Er kenne Lohnverhältnisse, in denen weiterhin nur 4,40 bis 6 Euro die Stunde gezahlt würden. Die Ausbildungsbedingungen seien in Bezug auf Urlaub, Ausgleichstage und Anforderungen ausdauernd schlecht, was sich zum Beispiel in hohen Abbrecherquoten von über 50 Prozent bei Köchen zeige. Der angestrebte Mindestlohn von 8,50 Euro sei eine Basis „aber noch keine Lösung des Problems“. Die gute Entwicklung im Tourismus müsse sich dringend auch auf die Auszubildenden und Beschäftigten auswirken.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen