Küstenschutz im Wohld : Tour de Meeresmüll

Begleitfahrt: Dirk Münze und seine kleine Tochter Kristina radelten mit Kea Hinsch ein Stück auf der Bäderstraße auf ihrem Weg von Kiel nach Föhr.
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Begleitfahrt: Dirk Münze und seine kleine Tochter Kristina radelten mit Kea Hinsch ein Stück auf der Bäderstraße auf ihrem Weg von Kiel nach Föhr.

Kea Hinsch radelt für saubere Meere knapp 900 Kilometer. Die 19-Jährige fährt dafür die deutsche Nord- und Ostseeküste ab.

shz.de von
03. Juli 2018, 14:28 Uhr

Altenhof | 873 Kilometer auf einem Rad, das vermutlich doppelt so alt ist wie die Fahrerin. 39 Tage, Wind, Regen, Berge und erbarmungslose Sonne. Doch Kea Hinsch hat eine Mission: „Ich fahre für saubere Meere.“ Kurz vor dem Abschluss ihres Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) beim BUND Bremen sollte die 19-Jährige ein eigenes Projekt auf die Beine stellen. „Ich habe im Meeresschutzbüro des BUND gearbeitet. Da hatte ich die Idee, mit dieser Aktion auf den Umweltschutz im Allgemeinen und besonders an Küsten aufmerksam zu machen“, erklärt Kea Hinsch.

Ihre 39-tägige Fahrradtour führt sie entlang der Ostsee- und der Nordsee-Küste. Dabei macht die junge Frau mit den blauen Haaren Halt in elf Städten – Zingst, Rostock, Wismar, Lübeck, Kiel, Föhr, Hamburg, Stade, Cuxhaven, Bremerhaven und Bremen. Dort organisiert sie gemeinsam mit den BUND-Ortsgruppen verschiedene Aktionen wie kollektives Müllsammeln am Strand. „In Lübeck bin ich als Müllmonster rumgelaufen.“ Unter anderem bekleidet mit einer Strumpfhose, an der 400 Zigarettenkippen befestigt sind, verschenkte Hinsch so etwa Taschenascher an die Raucher in der Einkaufspassage. Nicht jedem passt die aufgeweckte junge Frau: „Manche Menschen verweigern sich sofort. Viele fanden es aber auch gut und wollten Fotos mit mir machen.“

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In ihrem Blog berichtet Kea Hinsch ausführlich über ihre Erlebnisse – Pannen ebenso wie Glücksmomente. „Man lernt so viele tolle Menschen kennen“, sagt die Bremerin. Einer von ihnen war Dirk Münze aus Neudorf-Bornstein. „Als ich von ihrem Projekt im Internet gelesen habe, wollte ich sie unbedingt unterstützen“, erklärt Münze, der mit seinem aktuellen Crowdfunding-Projekt „Der blaue Drecksack“ ebenfalls ein Kämpfer für saubere Küsten ist. Während ihrer Fahrt entlang der Bäderstraße bot Münze ihr daher neben einem stärkenden Frühstück auch gleich an, ein paar Kilometer mitzuradeln. So war der 55-Jährige auch sofort mit einem Fahrradständer zur Stelle, als der von Keas Fahrrad brach. „Und ehrlich gesagt hat mich nicht einmal besonders gewundert, dass Dirk den rumzuliegen hatte“, sagt sie lachend. „Mir passieren ständig so schräge Sachen auf der Tour.“ Als sie beispielsweise einen Platten hatte, konnte die WG, in der sie untergebracht war, sofort mit einem neuen Schlauch aushelfen. Und als Kea ihre Bauchtasche mit all ihren Papieren und ihrem Bargeld auf dem Campingplatz verlor, dauerte es nicht lange, da schickten die Finder ihr die Tasche unversehrt hinterher.

An ihren Stationen bleibt Kea Hinsch jeweils zwei bis drei Tage, manchmal legt sie einen Ruhetag ein. „Das ist ganz praktisch zum Blog-Schreiben.“ Jede Stadt sei traumhaft, Anschluss hat sie überall schnell gefunden, sagt Kea. „Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute Ablassbriefe von mir erwarten, weil sie mir ihre Umweltsünden gestehen.“ Dabei will die FÖJ’lerin nicht missionieren, betont sie. „Ich möchte nur zeigen, dass jeder etwas machen kann und dass wir aufhören müssen, den Müll in unsere Umwelt zu werfen.“ Denn: „Mit jedem Müllteil, das nicht in der Umwelt liegt, ist die Welt ein Stück besser.“

Gestern ist Kea Hinsch in Stade angekommen und plant heute eine Aktion in der Innenstadt. Am 10. Juli will sie ihre Tour de Meeresmüll in Bremen beenden. Mehr über Kea Hinsch gibt es auf ihrem Blog: tourdemeeresmuell.com.

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