Gettorf : „Total daneben“ – aber Gesetz

Ralph Tastl (li.) und Torben Schlichting kämpfen für eine Verkehrsberuhigung in ihrer Kurve.
Ralph Tastl (li.) und Torben Schlichting kämpfen für eine Verkehrsberuhigung in ihrer Kurve.

Ralph Tastl und Torben Schlichting: Die Kurve der Feldstraße braucht dringend Temposchwellen. Das Ordnungsamt ist anderer Meinung.

shz.de von
16. Mai 2018, 18:50 Uhr

„Wenn hier ein Kind auf die Straße läuft, kann ein Autofahrer bei 50 Kilometern pro Stunde gar nichts mehr machen, dann ist es zu spät“ – das sagt Ralph Tastl beim Blick auf die Straße, in der er mit seiner Familie lebt. Gemeinsam mit seinem Nachbarn Torben Schlichting hatte Tastl beim Amt Dänischer Wohld einen Antrag auf Verkehrsberuhigung in der Feldstraße gestellt. Im jüngsten Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Bauwesen und Umwelt der Gemeinde Gettorf kassierten die besorgten Familienväter diese Woche jedoch eine Absage.

Ralph Tastl (43) und Torben Schlichting (43) leben mit ihren Familien in der Feldstraße im Südwesten Gettorfs. Die asphaltierte, zum Teil lang gestreckte Straße verläuft u-förmig durch das Wohngebiet. Die Ecke, an der Tastl und Schlichting wohnen, ist nach Ansicht der beiden Familienväter höchst gefährlich. „Das ist eine 90-Grad-Kurve und fast alle Autofahrer schneiden sie“, beklagt Torben Schlichting.

Die Bebauung auf der Innenseite der Kurve – ein etwa drei Meter hoher Sichtschutz aus Hecke und Zaun, der dicht an die Fahrbahn reicht – zwingt die Verkehrsteilnehmer eigentlich dazu, abzubremsen und sich vorsichtig in die Kurve hinein zu tasten, um Kollisionen mit dem möglichen Gegenverkehr zu verhindern. Eigentlich. „Aber das macht hier keiner. Man darf auf der Straße 50 fahren und dadurch kommen gerade Auswärtige regelmäßig um die Kurve gebrettert“, sagt Ralph Tastl.

Das Viertel stammt aus den 70er-Jahren, erklärt Torben Schlichting. In den vergangenen Jahren habe sich das Wohngebiet stark verjüngt. „Es leben nicht mehr nur 80- und 90-Jährige hier. Inzwischen sind einige junge Familien mit kleinen Kindern hergezogen und es werden mehr. Wenn da ein Ball auf die Straße fällt und ein Kind hinterher läuft...“

Tastl und Schlichting standen in dieser Woche nicht zum ersten Mal vor dem Bauausschuss. „Wir hatten in unserem Antrag schon viele Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung erörtert“, sagt Torben Schlichting. Die Einrichtung einer 30er-Zone wäre finanziell zu aufwändig, das wüssten sie selbst.

In der vorletzten Bauausschuss-Sitzung hatten sie jedoch die Idee geäußert, Temposchwellen einzurichten. „Das wurde von den Ausschussmitgliedern auch positiv beschrieben. Uns wurde empfohlen, Unterschriften zu sammeln.“ Und das taten sie: 20 Anwohner der Straße beteiligten sich. Die Liste ging ans Amt. Hier sollte das Ordnungsamt das letzte Wort haben.

„Ich hatte das Gefühl, dass der Ausschuss dem Vorschlag positiv gegenüber eingestellt war“, sagte Bauausschussvorsitzender Marco Koch einführend, „das Ordnungsamt ist es aber ganz und gar nicht“. Die schriftliche Antwort des Ordnungsamtes auf den Antrag von Ralph Tastl und Torben Schlichting: Es gebe keine Erkenntnisse über Gefahrenpunkte, zusätzliche Verkehrseinrichtungen in der Feldstraße seien demnach nicht erforderlich. Konkrete Prüf-Kriterien benannte das Ordnungsamt in seinem Schreiben jedoch nicht.

Die Gemeinde habe keinen Einfluss auf die Entscheidung des Ordnungsamtes, erklärte Sönke Jacobsen vom Bauamt den Antragstellern Ralph Tastl und Torben Schlichting: „Das Ordnungsamt schaltet eigenständig, in Abstimmung mit der Kreisverkehrsbehörde. Ich wüsste nicht, wie man da jetzt weiter gehen kann.“

Derartige Entscheidungen seien von Seiten der Politik immer sehr unbefriedigend, richtete sich Marco Koch an Tastl und Schlichting. „Wir wollen gern etwas machen, aber das Gesetz ist nunmal anders.“ Denn dieses sieht keine Notwendigkeit zu handeln. Es müsse erst etwas passieren, damit es sich bei der betreffenden Kurve um einen Gefahrenschwerpunkt handele, sagte Koch. – „Ich weiß, das ist total daneben, es tut mir leid.“ Sönke Jacobsen appellierte derweil an Ralph Tastl und Torben Schlichting, nochmals das Gespräch mit der Ordnungsamtsleiterin zu suchen: „Jetzt nicht aufgeben bitte“.

Zwar haben das die Männer nicht vor, trotzdem fehlt ihnen das Verständnis für die Entscheidung. „Es kann doch nicht so schwer sein, zwei Schwellen vor und hinter der Kurve anzuschrauben“, ist Ralph Tastl fassungslos. „In jedem Neubaugebiet wird das automatisch eingerichtet.“ Besonders traurig findet Torben Schlichting aber, „dass vom Ordnungsamt niemand hier war, um sich die Straße anzugucken. Wir haben extra eine Einladung für einen Vor-Ort-Termin ausgesprochen, aber es kam keine Antwort.“ Die Nachbarn sind sich einig, dass sie nicht aufgeben und nochmal das Gespräch mit dem Ordnungsamt suchen werden – bevor wirklich ein Unglück vor der eigenen Haustür passiert.

Die zuständige Ordnungsamtsleiterin war nach mehrfachen Anfragen der Redaktion nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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