Tod auf der A 7: Freispruch für Unfallfahrer

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12. Juni 2018, 16:46 Uhr

Im Zweifel für den Angeklagten: Mit einem glatten Freispruch endete gestern im Schöffengericht Neumünster der Prozess um einen Verkehrsunfall auf der A 7, bei dem vor einem Jahr eine 33-jährige Frau aus Bad Bramstedt ums Leben kam. Weil der Unfallfahrer unmittelbar vor dem Crash an seinem Handy herumhantiert hatte, wollte ihn die Staatsanwaltschaft in dem Prozess der fahrlässigen Tötung überführen.

Trotz intensiver Befragung von Experten, die sowohl den Unfallhergang als auch den Datenverkehr des Handys auswerteten, blieben für das Gericht jedoch Zweifel an der Schuld des Unfallfahrer.

Zwar sahen es die Richter als erwiesen an, dass der Unfallfahrer noch unmittelbar vor dem Unfall mit dem Handy hantiert haben muss, sie waren aber nicht überzeugt davon, dass der tödliche Unfall vermeidbar gewesen wäre, wenn der Fahrer nicht durch das Handy abgelenkt gewesen wäre, führte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung aus. Im Klartext: Die Ablenkung durchs Handy hat aus Sicht der Richter nicht zwangsläufig zum Unfall geführt.

Darüber hinaus mochte das Gericht nicht ausschließen, dass der Unfall für den Fahrer unvermeidlich war. In drei Varianten des Unfallhergangs hatte der Sachverständige diese Möglichkeit ausdrücklich offen gelassen.

Der Ehemann der bei dem Unfall getöteten Frau, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, nahm das Urteil äußerlich gefasst auf. Ob die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil angehen will, blieb gestern offen.

Bei dem Unfall am 18. Januar 2017 hatte der 71-Jährige aus Nordfriesland auf der A 7 bei Bad Bramstedt gerade einen Sprinter überholt, als er mit rund 120 Stundenkilometern auf das Heck der 33-jährigen Polo-Fahrerin auffuhr. Die Bramstedterin war unmittelbar zuvor vom Standstreifen auf die rechte Fahrspur eingeschert und laut Gutachter zum Unfallzeitpunkt etwa 50 bis 60 Stundenkilometer schnell. Durch den heftigen Aufprall wurde das Heck des Kleinwagens fast zur Wagenmitte eingedrückt. Die 33-jährige Fahrerin starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ihr damals acht Monate alter Sohn überlebte auf dem Beifahrersitz fast unverletzt.

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