Teure Klassenfahrten: Streit um Obergrenze

Fast 1000 Euro kosten die Reisen in der weiterführenden Schulzeit.

fju_maj_0203 von
26. Mai 2018, 16:15 Uhr

61 Prozent der Eltern an Gemeinschaftsschulen empfinden die Kosten von Klassenfahrten als zu hoch. Das geht aus einer Umfrage des Landeselternbeirats hervor. Demnach mussten 28,5 Prozent der Betroffenen im vergangenen Schuljahr mehr als 400 Euro pro Reise zahlen. „Die magische Schwelle, die für die meisten noch zumutbar sein mag“, siedelt Beirats-Vorsitzender Thorsten Muschinski zwischen 300 und 350 Euro an.

Der Landeselternbeirat für Gymnasien hat zeitgleich erhoben, worauf sich die Ausgaben im Laufe der gesamten weiterführenden Schulzeit summieren: Auf durchschnittlich 991 Euro, ausgehend von einer Fahrt in der Orientierungs-, Mittel- und Oberstufe. Das Minimum liegt bei 740, das Maximum bei 1460 Euro.

Von den Gemeinschaftsschul-Eltern beklagten 56 Prozent, mit ihnen sei weder das Ziel noch das Budget der Klassenfahrt abgestimmt worden. „Dass Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt werden, darf nicht sein“, fordert Muschinski. Gleichwohl bleibt bei Mitsprachemöglichkeiten die Scham-Falle: „Die wenigsten trauen sich, auf dem Elternabend zu sagen, wenn ihnen eine Fahrt zu teuer ist“, weiß Muschinski. „Man sitzt dann da und sagt sich: Verdammt, dieses Jahr ist der Familienurlaub wieder gestrichen – Hauptsache, mein Kind kann mit auf Klassenfahrt.“ Beide Landeselternbeiräte wünschen sich deshalb Obergrenzen für Klassenfahrten – wie es sie etwa in Hamburg gibt.

Die Reaktionen darauf waren bei einer Anhörung im Bildungsausschuss des Landtags gespalten: Während etwa von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Unterstützung kommt, hat der Philologenverband Vorbehalte, etwa, weil das Programm einer Fahrt unter Kostenvorgaben leiden könne. Auch die Politik zeigt sich uneins: SPD und FDP etwa befürworten eine Kostenobergrenze, dagegen  wäre dies CDU und Grünen zu starr. Handlungsbedarf machen auch sie aus, setzen aber darauf, dass die Schulen das Thema in Eigenverantwortung sensibler handhaben und die Möglichkeiten zur Bezuschussung ausgebaut werden. Leitartikel Seite 2

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