Suche nach neuen Mehrheiten

„Sind wir zufrieden?“ scheinen sich die FDP-Vertreter Sabine und Gunnar Werner (von links) sowie Sven Baumgart am Wahlabend zu fragen. Die Liberalen verfügen künftig über drei Ratssitze.
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„Sind wir zufrieden?“ scheinen sich die FDP-Vertreter Sabine und Gunnar Werner (von links) sowie Sven Baumgart am Wahlabend zu fragen. Die Liberalen verfügen künftig über drei Ratssitze.

Kommunalwahl in Tornesch bringt Ende der SPD-Mehrheit und schafft verschiedene mögliche Konstellationen

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08. Mai 2018, 16:05 Uhr

CDU und Grüne als strahlende Sieger, die SPD als klarer Verlierer und Liberale, die sich mehr erhofft hatten. Die Kommunalwahl hat die politischen Verhältnisse in Tornesch gehörig durcheinander gewirbelt.

Von der absoluten Mehrheit mit 52,6 Prozent der Stimmen auf 26,6 Prozent. Dass die Sozialdemokraten im Vergleich zur Wahl 2013 Stimmen verlieren würden, dürfte selbst dem kühnsten Optimisten unter den Genossen klar gewesen sein. Aber gleich 26 Prozentpunkte? Entsprechend angeschlagen wirkte SPD-Ortsvereinschef Manfred Mörker am Wahlabend − und bemühte ein Willy Brandt-Zitat. „Als Politiker sind wird gewählt, aber nicht erwählt“, sagte Mörker. Als Gründe für die Wahlniederlage machte er unter anderem den für seine Partei negativen Bundestrend aus. Und den Wiederantritt der Grünen. Mörker betonte zwar, dass er es gut finde, dass die Ökopartei wieder im Rat vertreten sei, doch das Ergebnis mache deutlich, dass 2013 offensichtlich zahlreiche potenzielle Grünen-Wähler ihr Kreuz bei der SPD gemacht hätten.

Die CDU feierte ihr Ergebnis von 41,9 Prozent (+3,5 Prozent) bis Mitternacht im Restaurant Himara. Stadtverbandschef Daniel Kölbl zeigte sich erfreut darüber, dass die CDU ihr Ergebnis trotz einer zusätzlichen Partei steigern konnte. FDP-Fraktionschef Gunnar Werner war am Wahlabend hin- und hergerissen. Immer wieder bemühte er sein Tablet, blickte auf die neusten Resultate. Sind vielleicht doch noch ein paar Prozentpunkte und ein weiterer Ratssitz drin? Am Ende wurden es drei Sitze und 10,3 Prozent (+1,4 Prozent). Werner gab am Sonntag einen ersten Hinweis auf die kommende Legislaturperiode indem er betonte, künftig mit den Grünen stark „zusammenarbeiten“ zu wollen.

Deren Vertreter konnten ihr Glück kaum fassen. Zwar erzielten die Grünen landesweit viele gute Ergebnisse. Aber aus dem Stand auf 21,2 Prozent? Der Jubel bei der Ökopartei war groß. Spitzenkandidatin Ann Christin Hahn freute sich insbesondere darüber, dass mit Hans-Jürgen Brede auf Listenplatz sechs ein Bildungsexperte den Sprung in die Ratsversammlung geschafft hat. Brede war bis zu seiner Pensionierung Orientierungsstufenleiter am Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasium.

Doch was bedeutet das Ergebnis für die künftige politische Arbeit in Tornesch? Klar ist, Alleingänge wie in Sachen Autoverkehr auf dem Quartiersplatz in „Tornesch am See“ wird es nicht mehr geben. Die SPD hat ihre absolute Mehrheit verloren. Zwar haben die Genossen stets versucht, einen breiten Konsens in der Ratsversammlung herzustellen, doch letztlich lag über allen Diskussionen und Themen stets das Damoklesschwert ihrer Stimmenhoheit.

Rechnerisch verfügen nun CDU (zwölf Sitze) und FDP (drei) über die Mehrheit. Doch was auf den ersten Blick nach einem schwarz-gelben Bündnis aussieht, könnte sich in der Praxis als eine sehr unsichere Kombination erweisen. Denn in mehreren Punkten hatten die beiden bürgerlichen Parteien in der Vergangenheit unterschiedliche Meinungen. Sei es bei dem beschlossenen Bau einer zusätzlichen Abbiegespur auf der Esinger Straße oder auch beim Ausbau der Kreisstraße 22.

Und so kommen wieder die Grünen ins Spiel. Um deren Gunst buhlen die übrigen Parteien nicht erst seit Sonntag. CDU, SPD und FDP betonten unisono, mit der Ökopartei intensiv zusammenarbeiten zu wollen. Themenorientiert, versteht sich. Doch die aus erfahrenen Kommunalpolitikern und Neueinsteigern bestehende Grünen-Fraktion muss sich erst finden. Daraus machte Hahn am Wahlabend keinen Hehl. Ist die Einarbeitungsphase bewältigt, könnten allerdings einige noch in der Schwebe befindliche Projekte erneut auf die Agenda kommen. Denn noch stehen die Bäume, die für den Rechtsabbieger geopfert werden sollen, und ist der Platzbereich am See nicht gebaut.

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