Streit um Trasse für A 20 flammt wieder auf

Naturschützer drohen Verkehrsminister Buchholz mit neuer Klage – und kritisieren auch Umweltminister Albrecht

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12. Mai 2019, 22:00 Uhr

kiel | Der Streit zwischen dem Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz und den Umweltverbänden Nabu und BUND über den Weiterbau der Küstenautobahn A 20 bei Bad Segeberg flammt neu auf. Während die von FDP-Mann Buchholz beauftragte Planungsfirma Deges jetzt verkündet hat, an der geplanten Trasse nahe Bad Segeberg festhalten zu wollen, fordern die Naturschützer nachdrücklicher denn je eine Prüfung von südlicheren, naturverträglicheren Trassen. Das Fehlen einer solchen Prüfung hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig schon 2013 gerügt – und auch daher einen bis heute gültigen Baustopp verhängt.

BUND und Nabu lehnen die geplante Trasse ab, weil die zum einen Fledermäuse auf dem Flug zur Segeberger Kalkberghöhle bedroht und zum anderen am Naturschutzgebiet Travetal samt geschütztem Kalktuff vorbeiführt. Die Verbände fürchten, dass das seltene Gestein durch die Stickoxide des Verkehrs aufgelöst wird. Zu verhindern seien die Gefahren nur, wenn die A 20 im Travetal unter einem Deckel verschwände, sagt BUND-Landeschef Ole Eggers. Doch weil der 190 Millionen Euro extra kosten würde und damit mehr als das zehn Kilometer lange Autobahnstück, lehnt die Deges das ab. Statt dessen setzt sie auf billigere Schutzmaßnahmen, gibt aber zu, dass bei erneuten Klagen „ein Restrisiko“ bliebe. Minister Buchholz plädiert ebenfalls für die bisherige Linie. Zwar seien „optimierte Maßnahmen“ zum Naturschutz nötig. Doch sprächen „die vorliegenden Ergebnisse in verkehrlicher und wirtschaftlicher Hinsicht für die Plantrasse“.

Genau diese Haltung kritisiert BUND-Chef Eggers.: „Dem Land geht es nur um die Frage: Wie kriegen wir die Autobahn auf der geplanten Trasse hin?“Für die Alternativ-Trassen dagegen habe Buchholz bis heute nichts Belastbares vorgelegt. „Wer bei seinen Hausaufgaben so schludert, darf sich nicht wundern, wenn er vor Gericht wieder verliert“, droht Eggers. Auch Nabu-Landeschef Ingo Ludwichowski nennt das Vorgehen des Landes „stark risikobehaftet“. Eggers kritisiert zudem die Passivität des grünen Kieler Umweltministers Jan Philipp Albrecht und dessen Vorgängers Robert Habeck: „Es ist ein Skandal, dass sich die Umweltminister nicht um die Probleme kümmern, die in den sensiblen Schutzgebieten wegen der A 20 drohen.“

Bestärkt sehen sich die Verbände durch den kürzlich verhängten gerichtlichen Stopp für den nachfolgenden vierten A-20-Abschnitt westlich von Bad Segeberg. In dem Prozess hatten die Leipziger Richter eigens auf eine naturschonendere Alternativ-Trasse im dritten Bauabschnitt hingewiesen, die über den Südzipfel des Mözener Sees führt. Die Deges allerdings beziffert die Zusatzkosten dieser Trasse auf 100 Millionen Euro – lehnt sie daher ab. Für die Plantrasse dagegen hofft sie auf eine Genehmigung bis 2021 und eine Fertigstellung in 2029. Leitartikel Seite 2

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