Steuerhinterziehung mittels Einbauküchen: Wurden Kaufverträge gefälscht?

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19. November 2020, 21:26 Uhr

Kiel | Vor dem Kieler Landgericht müssen sich aktuell zwei Männer verantworten, die sich zwischen 2004 und 2014 in insgesamt acht Fällen Steuervorteile in Höhe von 775 000 Euro erschlichen haben sollen. Dabei ging es auch darum, bar gezahlte Mieten nicht versteuert zu haben. Auch sollen Urkunden, bei denen es um den Verkauf von Einbauküchen ging, gefälscht worden sein. Gestern wurden dazu die ersten Zeugen vernommen.

Bei vier der Vorgeladenen ging es um den gleichen Sachverhalt. Sie hatten ihr Haus durch Insolvenz oder Zwangsversteigerung verloren. Die Angeklagten hatten die Immobilien gekauft und wollten sie weiterverkaufen. Da die Zeugen jeweils neue Einbauküchen, eingebaut hatten, die zu dem Zeitpunkt nur wenige Jahre alt waren, stand die Frage im Raum, was aus diesen wird. Alle vier bekamen Besuch von der Steuerfahndung. Diese legte den Zeugen Kaufverträge vor, die besagten, dass sie als einstiege Hausbesitzer die Einbauküchen verkauft hätten. Zwei beteuerten vor Gericht, die Küche nie verkauft zu haben. Zudem sei die Unterschrift nicht die der Zeugen. Eine 79-Jährige sagte, sie haben die Küche für 2000 Euro verkauft.

Im Vertrag ist aber die Rede von 5000 Euro. „So viel? Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte die 79-Jährige, die jedoch ihre Unterschrift unter dem Vertrag erkannte. Der vierte Zeuge erkannte seine Unterschrift ebenfalls unter dem Vertrag, sagte aber, er habe nie Geld erhalten. Bei allen traten Erinnerungslücken zu Tage, da es um Fragen ging, die zehn Jahre zurück lagen. Der wohl am häufigsten gesagte Satz war: „Daran kann ich mich nicht erinnern“. Bei einem weiteren Zeugen lag der Fall gänzlich anders. Er hatte bei einem der Angeklagten hohe Mietschulden. Diese seien dadurch entstanden, dass er monatelang auf ein falsches Konto überwiesen habe. Zudem sei die Miete von 1400 Euro nicht zu stemmen gewesen. Man habe sich nach einem Jahr auf eine neue Miete von 450 Euro geeinigt und die Schuld auf sich beruhen lassen. Die Miete wurde dann meist bar bezahlt. Aus einer Mahnliste, die auch an den Steuerberater ging, geht hervor, dass der Mieter Schulden in Höhe von 27 000 Euro habe. „Das kann sein, habe ich aber nie bezahlt“, so der Zeuge. Auch dieser Zeuge konnte sich wegen der zeitlichen Entfernung nicht an alle Einzelheiten erinnern. Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen und ein Sachverständiger vernommen werden.

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