Steinreich? Lieber nicht!

Nierensteine können äußerst schmerzhaft sein. Zu wenig Trinken fördert ihr Entstehen.

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02. September 2018, 10:26 Uhr

Es beginnt meist mit wellenförmigen, ziehenden Schmerzen, die von einer Flanke ausgehen und in den Unterbauch ausstrahlen. „Das sind typische Anzeichen einer Nierenkolik. Ausgelöst durch einen Nierenstein, der im Harnleiter feststeckt“, erklärt Prof. Dr. Tillmann Loch, Chefarzt der Urologischen Klinik der Diako in Flensburg.

Nierensteine entstehen aus Urinbestandteilen, die normalerweise im Harn gelöst sind. Lagern sie sich aber ab, kristallisieren sie aus. „Die meisten Steine bestehen aus Kalziumsalzen und sind nicht größer als ein Sandkorn, können aber auch das ganze Nierenhohlsystem ausfüllen“, führt Loch aus. Insgesamt sind mehr Männer als Frauen betroffen. Am häufigsten erkranken Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren. Es trifft statistisch jeden 25. Deutschen einmal im Leben. Bei drei Viertel dieser Patienten kommen weitere Nierensteine vor, weshalb eine urologische Nachsorge empfehlenswert ist.

Feststeckende Steine im Harnleiter können heftige Schmerzen verursachen, da dieser nur einen Durchmesser ähnlich einer Kugelschreibermine hat. „Hier sprechen wir oft davon, dass die kleinsten Mäuse oft die spitzesten Zähne haben. Soll heißen, auch sehr kleine Steine können starke Beschwerden verursachen“, veranschaulicht der Urologe. Die Schleimhaut im Harnleiter wird verletzt und bei einer Urinprobe wird Blut sichtbar.

Eine Blutuntersuchung lässt bei den Werten für Kreatinin, Kalium, Phosphat und Harnsäure Rückschlüsse zu, wie gut die Nieren funktionieren und ob eine Infektion vorliegt. „Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) können wir Steine ab einer Größe von etwa zwei Millimetern in der Niere erkennen. Falls der Stein kaum noch Urin passieren lässt, können wir so einen Harnstau feststellen“, erläutert Loch. Das beste Diagnoseverfahren stellt aber eine Computertomografie dar, die sämtliche Steine mit hoher Treffsicherheit lokalisieren kann.

Um die Steine wieder loszuwerden, gibt es mehrere Methoden. Bis zu einer Größe von etwa vier Millimetern können sie von alleine mit dem Urin ausgeschieden werden. Dazu sollte viel getrunken werden. Zur Unterstützung werden Medikamente, die den Harnleiter erweitern und die Entwässerung beschleunigen, angewandt. „In unserer Klinik wird als erstes Mittel der Wahl ein sogenannter Trinkstoß angewandt. Dabei trinken die Patienten innerhalb von 20 Minuten 1,5 Liter lauwarmen Tee. Der Druck dieser großen Trinkmenge kann in vielen Fällen dazu führen, dass der Stein im Harnleiter weiter nach unten geschoben und so ausgeschieden wird. Viel Bewegung, und speziell Hüpfen, unterstützt den Weitertransport“, berichtet Loch. Falls diese Methode nicht zum Erfolg führt, kann über die Harnröhre eine Schiene eingesetzt werden, die zu einer Erweiterung der Harnröhre und zum Ausscheiden des Steins führt. Diese Schiene wird nach einem Zeitraum von sechs Wochen bis drei Monaten wieder entfernt.

Besteht ein Harnstau oder schon eine Infektion, muss schnell gehandelt werden. Mittels einer schmalen Kanüle trifft der Urologe direkt von außen in die Niere und kann so den Urin ableiten und eine akute Gefahr wie eine Blutvergiftung oder Organschädigung verhindern. Eine Zerkleinerung der Steine mittels Stoßwellen oder Laser sind weitere und die am wenigsten belastenden Methoden. Offene Schnittoperation gibt dank moderner minimalinvasiver Techniken fast nicht mehr.

Direkt in der Niere ruhende Steine werden meist zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Ohne Beschwerden können sie, nach Rücksprache mit einem Urologen, unbehandelt bleiben, sollten dann allerdings regelmäßig kontrolliert werden. „Besonders vor Auslandsreisen oder anstehenden anderen Operationen sollten man sich beraten lassen, damit nicht gerade dann ein Nieren- oder Harnleiterstein zum Problem wird“, rät der Professor.

Damit Nierensteine gar nicht erst entstehen, ist ausreichendes Trinken notwendig. „Besonders in diesem heißen Sommer haben wir auf unseren Stationen vermehrt Patienten mit Steinen behandelt, die am ehesten auf eine zu kleine tägliche Trinkmenge zurückzuführen waren“, sagt der Urologe. Hier nun einige praktische Tipps :

> Wer Durst verspürt, sollte umgehend trinken; es ist schon ein Warnzeichen des Körpers. Besser ist es, ein Durstgefühl gar nicht erst entstehen zu lassen.

> Viele kleine Trinkportionen über den Tag verteilt sind besser als große Mengen auf einmal. Bereitgestellte Getränke und feste Trinkpausen helfen.

> Beim Ausflug oder im Auto sollten immer Getränke dabei sein.

> Bei Kindern sollte man auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, da das beim Spielen oft vergessen wird.

> Die tägliche Trinkmenge sollte zwischen 1,5 und zwei Litern liegen. Beim Sport und bei großer Hitze erhöht sie sich bis zu einem halben Liter pro Stunde Aktivität. Ein guter Indikator für die richtige Trinkmenge ist die Farbe des Urins. Je heller, desto besser.

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