Steinewerfer von der A7 gefasst

Zwei Verdächtige festgenommen / Täter schlugen 19 Mal zu / Vorwurf: Versuchter Mord

shz.de von
08. Juni 2018, 22:04 Uhr

Erfolg für die Polizei: Die Steinewerfer von der A7 sind gefasst. Die beiden jungen Männer (18 und 19) aus dem Kreis Schleswig-Flensburg sitzen seit gestern in Untersuchungshaft. Ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen.

Die Auszubildenden legten ein Geständnis ab und erklärten den Ermittlern, zahlreiche weitere Steine von verschiedenen Autobahnbrücken geworfen zu haben. Polizeisprecher Christian Kartheus: „Wir hatten eine Serie auf A 7 und B 200, die im Februar begann, ordnen ihr 19 Taten zu.“

Warum die Polizei die Öffentlichkeit nicht warnte, wird nicht beantwortet. Zumal die Steine im Verlauf der Serie zunehmend größer wurden. Die meisten Würfe seien mit Sachschäden glimpflich ausgegangen, heißt es nur. Bis zum 8. Mai: In dieser Nacht durchschlug unweit der dänischen Grenze ein fußballgroßer Brocken die Windschutzscheibe eines BMW, verletzte dessen Fahrerin schwer. Um Haaresbreite wäre die Dänin (58) tödlich getroffen worden. Sie liegt noch immer im Krankenhaus.

Seitdem ermittelte die Kripo „mit höchster Priorität“, observierte nächtelang Brücken. Was führte die Beamten auf die Spur der jungen Männer? Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt: „Wir haben alle Möglichkeiten der Strafprozessordnung ausgeschöpft.“

Dazu zählt auch die Funkzellenabfrage. Dabei wird geklärt, welches Smartphone sich wann wo befunden hat. Weil die Verdächtigen nicht nur den BMW bewarfen, sondern auch eine halbe Stunde zuvor elf Kilometer südlich faustgroße Steine auf die A 7 schleuderten, dürften ihre Smartphones sich auch dort eingeloggt haben.

Die beiden Männer sind bislang „nicht einschlägig“ aufgefallen, ihr Motiv liegt im Dunkeln. Jugendlichen Steinewerfern gehe es meist um kurzfristigen Lust- und Machtgewinn durch das Brechen von moralischen Tabus, sagt ADAC-Verkehrspsychologin Nina Wahn. „Einem destruktivem Verhalten liegt außerdem häufig der Wunsch nach Abgrenzung zugrunde.“ Kriminologe Christian Pfeiffer spricht von einem „Machtrausch“, mit dem Frust kompensiert werden könne.

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