Stadt hat Interesse am Tiessenkai

Der Tiessenkai aus der Vogelperspektive: Hier beim sonnigen „Tag am Kai“ im vergangenen Jahr mit Traditionsseglern.
Der Tiessenkai aus der Vogelperspektive: Hier beim sonnigen „Tag am Kai“ im vergangenen Jahr mit Traditionsseglern.

Maritimes Kleinod mit ungewisser Zukunft: Holtenauer Bundes-Anlage verliert Status als Schutzhafen / Stadt könnte als Betreiber einspringen

shz.de von
17. April 2019, 09:27 Uhr

Kiel | Unruhe hat sich in diesen Tagen unter den Anrainern des idyllischen Kieler Tiessenkais verbreitet – und damit verbunden die Frage, was aus der beliebten maritimen Flaniermeile wird. Denn die Liegenschaft des Bundes soll ab Mai ihren Status als Schutz- und Sicherheitshafen verlieren. Hintergrund ist eine Empfehlung des Bundesrechnungshofs an das Verkehrsministerium, den defizitären Standort zu verkaufen. Das wird nach Angaben des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Kiel-Holtenau nicht passieren. Doch das WSA will den Betrieb der Hafenanlage abgeben.

Die Saison steht in den Startlöchern. Am Oster-Wochenende werden wieder Großsegler den Hafen an der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal in Holtenau ansteuern. Doch können diese auch in Zukunft am Tiessenkai anlegen? Bleibt der charmante Charakter dieses Ausflugsziels mit gastronomischen Angeboten erhalten? Und wer kümmert sich in Zukunft um Erhalt, Vermarktung und Bewirtschaftung des Kais?

Monika Kock vom Holtenauer Verein TransMare, der in diesem Jahr zum zehnten Mal das kleine Fest „Tag am Kai“ (2. Juni, 11 bis 17 Uhr) organisiert, bringt die Sorgen der Tiessenkai-Freunde auf den Punkt: „Wir haben die Befürchtung, dass sich keiner kümmert, dass es mit dem Tiessenkai so endet wie mit der Kiellinie“, sagt Kock. Sie spielt auf die seit Jahren bestehende hässliche Absperrung an der Panorama-Route entlang der Förde an.

Ein wenig Wind aus den Segeln nehmen kann WSA-Sprecher Matthias Visser. Er führt derzeit Gespräche mit möglichen Interessenten. Zwar hat der Seehafen Kiel auf Anfrage des sh:z bereits abgewunken. Doch die Stadtverwaltung gibt verdruckst zu verstehen, dass sie grundsätzlich Verantwortung übernehmen könnte: „Die Landeshauptstadt Kiel als Stadt am Meer hat ein Interesse daran, dass möglichst viele der ans Wasser führenden Flächen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen und für maritime Angebote genutzt werden können. Das gilt also auch für den Tiessenkai“, teilt das Presseamt mit.

Zudem wird das WSA weiterhin den Unterhalt des Tiessenkais übernehmen, wie Visser betont. Er möchte die Anrainer und Segler beruhigen, deren Sorgen er nachvollziehen kann, und verspricht: „Für mindestens zehn Jahre wird es aus Sicht des WSA keine grundlegende Änderung für die heutige Nutzung des Kais geben.“ Bis dahin, so Visser, dürfte der Neubau der kleinen Schleusenanlage fertig sein, und die Sanierung der großen Schleuse beginnen. Visser: „Dann muss man über den Betrieb des Tiessenkais neu nachdenken.“

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