Eckernförder Waffenschmiede : Sig Sauers langer Schatten von Kolumbien

Waffenhersteller Sig Sauer hat seit Jahren viele Baustellen. Mit einem drastischen Personalabbau sollen Kosten gespart werden.
Die Waffenschmiede von Sig Sauer in Eckernförde.

Die Staatsanwaltschaft Kiel erhebt Anklage gegen fünf Mitarbeiter von Sig Sauer wegen illegaler Waffengeschäfte.

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11. April 2018, 19:47 Uhr

Eckernförde | Die Vorwürfe waren Existenz bedrohend: Die Eckernförder Waffenschmiede Sig Sauer sah sich 2014 mit dem Verdacht konfrontiert, in illegale Waffenlieferungen nach Kolumbien verstrickt zu sein. Mehrfach durchsuchte die Staatsanwaltschaft Kiel das Unternehmen, Ausfuhren wurden gestoppt, das Personal auf gut die Hälfte zusammengestrichen. Inzwischen sind am Traditionsstandort wieder rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, das Land Schleswig-Holstein bestellte kürzlich 522 Selbstladegewehre vom Modell MCX samt Munition und Zubehör im Wert von 1,2 Millionen Euro für die Landespolizei. Doch jetzt holen die Vorwürfe von 2014 Sig Sauer wieder ein.

Die Staatsanwaltschaft hat beim Landgericht Kiel Anklage gegen fünf Personen aus dem Unternehmensbereich erhoben. Die Beschuldigten sollen laut Anklage gegen die Außenwirtschaftsverordnung verstoßen haben, da unter ihrer Verantwortung eine Anzahl in Eckernförde produzierter und in die USA gelieferter Pistolen vom Typ SP 2022 von dort nach Kolumbien „weitergeleitet“ worden sein sollen.

Der Rechtsanwalt des Unternehmens, der Kieler Wirtschaftsstrafrechtler Gerald Goecke, erklärte, die angerufene Strafkammer habe nun darüber zu entscheiden, ob sie die erhobene Anklage zur Hauptverhandlung zulasse. Er betonte, das Unternehmen sei weiterhin der festen Überzeugung, dass die Ausfuhren stets rechtskonform erfolgt seien.

Sig Sauer in Eckernförde habe die „große Schwester“ Sig Sauer Inc. in den USA mit Pistolen beliefert, die dann auf Basis eines Rahmenvertrages an die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama geliefert wurden. Die US-Regierung habe mit diesen Waffen die kolumbianische Polizei im Anti-Drogenkampf unterstützt, so Goecke. Der Anwalt wies darauf hin, dass der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos für seine Politik der nationalen Versöhnung 2016 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Sig Sauer Eckernförde und Sig Sauer Inc. gehören zur L&O Holding, die weltweit mehr als 2300 Menschen beschäftigt.


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