Standort Itzehoe : Showdown für die Batteriefabrik

Leitet das Isit: Axel  Müller-Groeling (l.)
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Leitet das Isit: Axel Müller-Groeling (l.)

Der Bund entscheidet bald über das 500-Millionen-Projekt . In Berlin werben deshalb Land und Stadt gemeinsam für den Standort Itzehoe.

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06. Juni 2019, 17:49 Uhr

berlin | Daniel Günther zeigt sich vorsichtig: „Wir wissen, dass wir nicht als Favorit bei allen Projekten gestartet sind“, sagt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident gestern in der Berliner Hauptstadtvertretung des Landes. Umso mehr will er deutlich machen, dass der Norden im Standort-Wettbewerb um Deutschlands erstes Batterieforschungswerk und weitere neue Vorhaben zur Energiewende gut mithalten könne: „Wir glauben, dass die Projekte perfekt bei uns an die Westküste passen“, sagt Günther vor rund hundert versammelten Branchenvertretern und Bundestagsabgeordneten.

Dass der Ministerpräsident in Berlin persönlich bei einem „Parlamentarischen Frühstück“ für die Westküste trommelt, liegt am nahenden Showdown im Kampf um gleich mehrere wichtige Projekte der Energiewende. So will Günthers CDU-Parteifreundin und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek am 8. Juli entscheiden, an welchem Standort in Deutschland der Bund 550 Millionen Euro für die geplante Forschungsfabrik für Batteriezellen investieren wird – ein Werk, aus dem später sogar eine große kommerzielle Batteriefabrik werden könnte. Einer von sechs Bewerbern für das Forschungswerk ist das Itzehoer Fraunhofer-Institut für Silizium-Technik.

Dessen Chef Axel Müller-Groeling warb gestern ebenfalls in Berlin für den Standort Itzehoe. Unter anderem hob er erneut hervor, dass die Batteriefabrik dort mit Windstrom und daher „mit 100 Prozent CO2-freier Energie“ versorgt werden soll. Auch gebe es bei der Firma CLC bereits ein Gebäude, in dem man schon im September anfangen könne, sowie in großem Umfang flexible Erweiterungsmöglichkeiten im Innovationsraum im Norden der Stadt.

Nicht zuletzt sei eine Kofinanzierung durch das Land mit 145 Millionen Euro sowie Stadt und Kreis mit 15 Millionen gesichert, erklärte Müller-Groeling dem Berliner Publikum. Um zu demonstrieren, wie sehr die Stadt hinter der Bewerbung steht, waren auch Bürgervorsteher Markus Müller, Bürgermeister Andreas Koeppen, die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses der Stadt, Claudia Buschmann, und Wirtschaftsförderer Thomas Carstens in die Hauptstadt gereist. Müller sprach von einer „tollen Veranstaltung“ und interessanten informellen Gesprächen. „Es ist schön zu sehen, wie sehr dieses Projekt von der Landesregierung gepusht wird“, so der Bürgervorsteher.

Dass Itzehoe dennoch als Außenseiter gilt, liegt an den Rivalen aus Braunschweig, Ulm, München, Münster und Dresden: Die Standorte liegen entweder in der Nähe großer Autohersteller – oder in Bundesländern, die vom Kohleausstieg betroffen sind und daher auf ein Kompensationsprojekt vom Bund hoffen können.

Noch vor der Sommerpause will außerdem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier festlegen, welche Projekte in seinem Ideen-Wettbewerb „Real-Labore der Energiewende“ in die engere Auswahl kommen. Hier ist die Konkurrenz für die drei schleswig-holsteinischen Bewerber aus Heide, Brunsbüttel und der Metropolregion Hamburg noch größer: Insgesamt gleich 90 Kandidaten streiten um Bundesgelder von 100 Millionen Euro jährlich. Rund zwei Drittel dürften in der bevorstehenden ersten Runde ausscheiden; am Ende bleiben wohl noch drei oder vier übrig, vermutet man in der Landesregierung. Da sollte wenigstens eines aus Schleswig-Holstein dabei sein. Die größten Chancen gibt man im Land dem Heider Projekt „Westküste 100“, in dem ein Konsortium um den dänischen Nordseewindpark-Betreiber Ørsted mit Windstrom per Elektrolyse Wasserstoff erzeugen will. Dieser „grüne“ Wasserstoff soll dann in der Raffinerie Heide zum Erzeugen von klimafreundlichem Kerosin für Flugzeuge genutzt werden, aber auch ins Gasnetz gespeist werden.

Ministerpräsident Günther würde sich ebenfalls freuen, wenn der Windstrom im Norden bei drohender Überlastung des Netzes endlich nicht mehr verloren ginge, sondern anderweitig verwendet werden könnte. Derzeit sei es ja so, sagt Günther sarkastisch, dass Schleswig-Holstein nicht nur aus Kohle und Kernenergie aussteige, „sondern in Teilen auch aus den erneuerbaren Energien – weil wir die Anlagen so oft abschalten müssen.“

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