Schwein gehabt, PSV!

Beim PSV einer der größten Gewinner und Dauerbrenner zugleich: der junge Lasse Blöcker (links), hier im Kopfballduell mit Tarik Alioua vom Ortsrivalen VfR.
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Beim PSV einer der größten Gewinner und Dauerbrenner zugleich: der junge Lasse Blöcker (links), hier im Kopfballduell mit Tarik Alioua vom Ortsrivalen VfR.

Saisonrückblick: Holstein Kiel II rettet die „Polizisten“ vor dem Gang hinab in die Fußball-Landesliga

shz.de von
04. Juni 2018, 13:42 Uhr

Mit der Verpflichtung des neuen Trainers Maik Gabriel verband man beim Fußball-Oberligisten Polizei-SV Union die Hoffnung, nach drei Jahren einmal nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Doch daraus wurde auch in der Saison 2017/18 nichts. Wie schon zwölf Monate zuvor mussten die Grün-Weißen als erstes Team vor den Regelabstiegsplätzen darauf hoffen, dass ein Ligakonkurrent in die Regionalliga Nord aufsteigt und somit verhindert, dass durch den Abstieg eines Regionalligisten (in diesem Jahr Eutin 08) in die Oberliga Schleswig-Holstein ein weiteres Team absteigen muss. Holstein Kiel II tat der Elf von der Stettiner Straße den Gefallen und setzte sich souverän durch, sicherte dem PSV somit die sechste Spielzeit in der höchsten Klasse des Landes in Folge. Doch zufrieden konnte man bei den „Ordnungshütern“ auf Grund der vielen dürftigen Auftritte nicht sein. Und so entschieden sich die Verantwortlichen dazu, Maik Gabriel fünf Partien vor dem Saisonende durch Thomas Möller zu ersetzen. Der Courier lässt die Serie 2017/18 der „Polizisten“ Revue passieren.

Der Sport

Mit sieben Zählern Vorsprung auf den vom FC Dornbreite belegten ersten Regelabstiegsplatz sowie neun Punkten Rückstand auf den Zwölften TSV Schilksee kam der PSV als geradezu isolierter Dreizehnter des Klassements ins Ziel und hatte Glück, dass kein viertes Team den Gang in die Landesliga antreten musste. Das erklärte Ziel, „eine ruhigere Saison als die vergangene zu spielen und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben“ (O-Ton Maik Gabriel), wurde klar verfehlt. Nach einer nicht zufrieden stellenden Hinserie wurde bereits durch die irritierenden Ergebnisse in den Testspielen der Wintervorbereitung deutlich, dass es in der Restserie eng werden könnte – und so war es dann auch. Von der – auch durch einige Winterzugänge geschürten – Aufbruchstimmung war schnell nichts mehr zu sehen. Immerhin: Durch ein 2:0 im Finale beim Verbandsligisten TuS Nortorf holten die Grün-Weißen zum zweiten Mal in Folge den Kreispokal und qualifizierten sich für den Landespokal. Dort gastieren sie zum Auftakt beim Landesligisten Preußen Reinfeld.

Die Stärken

Die „Ordnungshüter“ erfüllten immerhin ihre Pflichtaufgaben gegen die Auf- und Wiederabsteiger TSV Friedrichsberg sowie TSV Wankendorf, die nur als „Kanonenfutter“ dienten. Alle vier Partien wurden klar gewonnen (15:4 Tore). Zudem traf der PSV in 26 der 30 Partien.

Die Schwächen

Die Platzierung spiegelt die Leistungen wider. Einmal mehr bekam der PSV die Gegentorflut nicht in den Griff, wies das viertschlechteste Torverhältnis auf. Individuelle Fehler waren ein steter Begleiter und führten reihenweise zu Rückschlägen, und auch die fußballerische Entwicklung war nicht zufrieden stellend. Dabei befanden sich die „Ordnungshüter“ in einem negativen Kreislauf: Die schlechte Trainingsbeteiligung und damit einhergehende mangelnde Fitness führte bei vielen Akteuren zu (immer wiederkehrenden) Verletzungen, die wiederum Trainingsbeteiligung und Grundfitness negativ beeinflussten. Dadurch verfügte der PSV nie über eine eingespielte Stammelf, etatmäßige Leistungsträger fielen aus und fehlten als Führungspersönlichkeiten. Das wurde auf dem Platz deutlich. Fast jedem Akteur mangelte es an jeglicher Konstanz. Hätte es die Teams aus Friedrichsberg und Wankendorf nicht gegeben, wäre es um die Elf aus der Böcklersiedlung düster geworden. Zieht man die zwölf Punkte gegen diese beiden Mannschaften ab, so bleiben nur 16 Zähler aus 26 Partien. Die Heimbilanz ist mit nur elf Punkten aus 15 Begegnungen gar katastrophal.

Die Neuen

Größte Gewinner waren die Youngster Lasse Blöcker und Joe Gabriel (beide SpVg Eidertal A-Jugend). Blöcker überzeugte im zentraldefensiven Mittelfeld, war sogar der PSV-Dauerbrenner. Joe Gabriel entwickelte sich stets weiter, vertrat den verletzten Stammkeeper Philipp Reinhold zumeist gut. Merlin Höckendorff (San Diego Toreros/USA) wurde zum Abwehrchef, ehe er im Herbst 2017 beruflich nach München ging. Als solider Neuzugang entpuppte sich Livius Höckendorff (TSV Schilksee), Rückkehrer Issam Khemiri (VfR) kam nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Die Stürmer Finn Langkowski (Schilksee) und Christian Sankowski (Strand 08) erfüllten nicht die hohen Erwartungen und wurden nach Verfehlungen suspendiert. Der zunächst langzeitverletzte Hannes Kracht (SG Padenstedt) war keine Alternative, ging im Winter zurück zur SGP. Die neben Sankowski weiteren Winterzugänge Paul Falk, Philipp Lorenzen, Paulinus Igbokwe (alle VfR), Miche Makomé-Mabouba (reaktiviert), Hasan Mercan (FC Elmshorn) und Henning Knuth (Osterrönfelder TSV) schafften es nicht, die Qualität zu erhöhen.

Das Umfeld

Die Arbeitsbedingungen mit dem Betreuerstab und vor allem dem hervorragenden A-Platz gehören womöglich in die Spitzengruppe der Oberliga, doch die Verantwortlichen ließen den Spielern offenbar einmal mehr eine zu lange Leine, sonst wäre zum Saisonende hin der negativ konnotierte Begriff „Wohlfühloase“ nicht erneut aufgetaucht. Mit Neu-Coach Möller hofft man, eine Kehrtwende in der Arbeitsweise herbeiführen zu können.

Das Fazit

Da der Kader einmal mehr besser zu sein schien als die Platzierung, bleibt die Erkenntnis, dass andere Vereine mehr aus ihren (zum Teil geringeren) Möglichkeiten mach(t)en. Das Abschneiden und die Art und Weise des Auftretens sind enttäuschend, sodass ganz nüchtern betrachtet festzuhalten ist: Der PSV hat mal wieder Schwein gehabt.

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