Altenholz : Schüler-Filme feiern Erfolge

Ihre Filme sind preisgekrönt: Caroline Ramm (v.li.), Lea Meints, Tessa Kuchel und Catharina Kolberg.
Ihre Filme sind preisgekrönt: Caroline Ramm (v.li.), Lea Meints, Tessa Kuchel und Catharina Kolberg.

Den 2. und 3. Preis erhielten jetzt sieben Altenholzer Gymnasiasten beim bundesweiten Schülerwettbewerb.

shz.de von
04. Juli 2018, 06:54 Uhr

Altenholz | „Recht oder Unrecht – Juristinnen und Juristen nach 1945“ – So lautete der Titel des diesjährigen Schülerwettbewerbs des Deutschen Anwaltvereins. Mit zwei Projekten nahmen auch sieben Schüler des Gymnasiums Altenholz teil und erhielten jetzt den zweiten und dritten Preis des bundesweiten Wettstreits. Insgesamt drei Monate hatten Katharina Flesch, Jacob Grütters, Jasmin Knauer, Lea Meints und Caroline Ramm für ihren Beitrag „Otto Tschadek – Opfer oder Täter?“ Zeit – ebenso wie Catharina Kolberg und Tessa Kuchel für ihren Erklärfilm „Der Fall Karl-Heinrich Hagemann – vor und nach 1945“.

„Wir haben am Anfang einen Zeitplan und die Arbeitseinteilung festgelegt“, erklärt Lea Meints (15). „Caro und ich haben die Telefonate mit den Archiven geführt, die anderen haben die Bilder für unseren Film rausgesucht.“ Der 13-minütige Film, unter anderem mit alten Fotografien Otto Tschadeks, behandelt den Kieler Richter, der sowohl im Dritten Reich als auch nach 1945 als Jurist arbeitete, darüber hinaus Kiels Oberbürgermeister wurde und sogar die sogenannten Ehrenbürgerrechte erhielt. „Er hat zu Zeiten des Krieges zwar milde Urteile gefällt, aber auch Todesurteile im Sinne der damaligen Rechtsprechung“, erklärt Lea das komplexe Thema. Gemeinsam mit Landtagsabgeordneten diskutierten die Neuntklässler für ihren Film über Otto Tschadek und brachten zudem ihre eigene Meinung vor der Kamera zum Ausdruck. „Ich finde, dass Tschadek die Stadt Kiel nach dem Krieg mit aufgebaut hat, macht seine Urteile nicht besser“, sagt Caroline (14). Der zweite Preis des bundesweiten Schülerwettbewerbs und 500 Euro gingen an den komplett selbst produzierten und geschnittenen Film der Schüler-Gruppe. „Wir haben uns ziemlich darüber gefreut“, sagt Lea.

Catharina und Tessa haben zu zweit den sechsminütigen Erklärfilm über Karl-Heinrich Hagemann eingereicht und den dritten Preis des Wettbewerbs inklusive Siegerprämie von 250 Euro erhalten. „Hagemann war der Richter, der Oskar Kusch zum Tode verurteilt hat“, erklärt Catharina (15). „Und wir werfen die Frage auf, ob er 1950 zu Recht freigesprochen wurde“, ergänzt Tessa (15). Catharina und Tessa haben für ihren Film Figuren gezeichnet, ausgeschnitten und vor der Kamera auf einem Blatt Papier hin und her bewegt. „Wir sagen, wer Hagemann und Kusch waren, wie die Gerichtsverhandlung ablief und unsere eigene Meinung“, so Tessa.

Dass sie den dritten Platz belegen würden, hätten die Mädchen nicht gedacht. „Wir haben damit gerechnet, dass es ein guter Platz wird, aber nicht, dass es so gut wird“, sagt Catharina. Für die Preisverleihung ging es dann für die Altenholzer Gymnasiasten ins Berliner Kammergericht. Unter den Gästen: Bettina Limperg (Präsidentin des BGH) und Prof. Dr. Sibylle Steinbacher, Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts. Lehrer Carsten Droste: „Da stehen unsere Schüler, Neuntklässler wohlgemerkt, und unterhalten sich im Kammergericht mit diesen großen Namen, das macht einen schon stolz.“

Umso schlimmer für den Sozialwissenschaftslehrer, dass derartige Projekte des Wahlpflicht-Unterrichts im Zuge der G9-Anpassung nun bedroht sind. „Erst diese freie Projektarbeit ermöglicht solche Erfolge“, so Droste. „Die Schüler müssen sich drei Monate auf ein Projekt fokussieren, alles selbst organisieren, Politiker kontaktieren – das hat so viel Lebensweltbezug.“ Carsten Droste fürchtet nun, dass die Entscheidung des Bildungsministeriums zu Lasten der Schüler gehen könnte.

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