Schleswig-Holsteins Werk und Amazons Beitrag

Blick in ein Amazon-Lager
Blick in ein Amazon-Lager

till_maj_0539 von
28. März 2018, 16:25 Uhr

Streit um die Besteuerung, den Datenschutz und die Geschäftspraktiken – der Druck auf die großen US-Tech-Firmen steigt. Amazon hält nun dagegen und verweist auf seine Rolle für regionale Wirtschaftskreisläufe und die lokalen Händler. So brachten es mittelständische Betriebe aus Schleswig-Holstein allein über den Amazon-Marketplace in 2017 auf Exportumsätze von mehr als 60 Millionen Euro. Das geht aus Zahlen hervor, die der US-Riese heute veröffentlichen will und die unserer Zeitung vorab vorlagen. Mehr als zwei Millionen Produkte verschickten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zwischen Nord- und Ostsee demnach an Kunden außerhalb Deutschlands – unter anderem auch in exotische Länder wie Madagaskar, Simbabwe oder Ecuador. Nach Daten der Wirtschaftsberatung Keystone Strategy schufen allein die KMU aus dem Land, die auf Amazon aktiv sind, mehr als 2700 Jobs im Norden.

Doch so positiv diese Zahlen zunächst klingen. Die Macht von Amazon ist äußerst umstritten. Der Holzspielzeug-Hersteller Gollnest & Kiesel (Goki) aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg hat Amazon daher vor zwei Jahren die Zusammenarbeit aufgekündigt. Goki sieht sich dabei nach eigenen Angaben auch dem stationären Fachhandel verpflichtet – und will diese unterstützen.

„Es ist nicht für jedes Unternehmen möglich, den eigenen Online-Shop zu haben“, sagt Petersen. In diesen Fällen könnte Amazon – je nach Produkt – durchaus eine Möglichkeit sein. Zugleich sieht sie viele Regelungen bei Amazon durchaus kritisch. Nicht zuletzt das Steuerthema treibt den Verband um, bei dem der stationäre Handel hierzulande das Nachsehen hat. Hinzu kommt die Gefahr, sich einem Preisdruck auszusetzen, weil internationale Anbieter sich nicht an Regeln und Kosten deutscher Einzelhändler kümmern. „Wir fordern da faire Wettbewerbsbedingungen“, so Petersen. Da sei letztlich die Politik gefordert. Dem Online-Bereich verschließen sollte sich der Handel aus Petersens Sicht in keinem Fall. Allein ein Hinweis im Internet auf die Öffnungszeiten könne jedoch mitunter schon reichen.

Bundesweit will Amazon nach eigenen Angaben dazu beigetragen haben, dass Mittelständler mehr als 75000 Jobs geschaffen und Exportumsätze von mehr als 2,1 Milliarden Euro ermöglicht haben. Ob dies auch ohne Amazon möglich gewesen wäre, ist unklar.

Bei Goki kann man Amazon inzwischen durchaus etwas Positives abgewinnen: Der US-Konzern habe dazu geführt, dass der stationäre Fachhandel wieder mehr über sein Geschäftsmodell und sein Angebot nachgedacht habe, so ein Sprecher.

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