„Schiefes Bild“: Bauernverband kritisiert Kieler Klimaschutzbericht

Klimakiller Kuh? Wegen der Vielzahl von Milchbetrieben im Land ist der Methan-Ausstoß hoch.
Klimakiller Kuh? Wegen der Vielzahl von Milchbetrieben im Land ist der Methan-Ausstoß hoch.

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11. August 2020, 17:53 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Werner Schwarz hat Kritik am neuen Klimaschutzbericht des grünen Kieler Umweltministers Jan Philipp Albrecht geübt. Wie berichtet, wird in dem Bericht vor allem die Agrarbranche dafür verantwortlich gemacht, dass das Land Schleswig-Holstein sein selbst gestecktes Ziel klar zu verfehlen droht, den Ausstoß von erderhitzenden Treibhausgasen bis Ende des Jahres um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Schwarz hält das für einen unfairen Vorwurf: „Die Bauern gehen beim Thema Klimaschutz voran und haben sich bereits sehr frühzeitig ehrgeizige Ziele für die Reduzierung der Klimagase gesetzt“, sagte er gestern.

Der Klimaschutzbericht rechnet unter anderem vor, dass die Emissionen aus den Treibhausgasen Methan und Di-Stickstoffoxid in Schleswig-Holsteins Landwirtschaft viel weniger gesunken sind als im Bundesdurchschnitt. So sei der Ausstoß des beim Düngen entstehenden Di-Stickstoffoxids im Norden seit 1990 praktisch gar nicht zurückgegangen, um nur 0,5 Prozent. Dem hält Schwarz entgegen, dass die Bauern zumindest beim Minderaldünger im Jahr 2011 eine Trendwende eingeleitet haben: „Bis 2019 wurde 30 Prozent weniger Stickstoff eingesetzt.“

Zudem ist es laut Schwarz nicht verwunderlich, dass die Emissionen von Methan, das Kühe beim Verdauen ausstoßen, im Norden nicht so stark gesunken sind wie im Bundesschnitt. „Schleswig-Holstein ist ein landwirtschaftlicher Gunststandort, gerade für die Milchviehhaltung“, sagte Schwarz. Daher sei die Milchproduktion im letzten Jahrzehnt in den Norden gewandert. Dies sei aber für das Klima nicht schlecht, weil die Produktion in Schleswig-Holstein besonders effizient sei.

Und nicht zuletzt habe der Bauernverband mit seiner Klimastrategie von 2018 ein Paket mit mehr als 20 konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaschutzes geschnürt. Mögliche Auswirkungen dieses Katalogs können in Minister Albrechts neuem Klimaschutzbericht noch nicht enthalten sein, da der Bericht nur einen Zeitraum bis Ende 2018 betrachtet. „Nimmt man all dies zusammen“, resümierte Schwarz, „dann wird deutlich, dass die nackten Zahlen im jüngsten Klimaschutzbericht des Landes ein schiefes Bild zeichnen.“

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