Tourismusbarometer 2019 : Schatten der Beliebtheit: Wird das Ferienland Schleswig-Holstein zu teuer?

Allein Tagesausflügler geben pro Person 26,60 Euro aus, etwa im Café.
Allein Tagesausflügler geben pro Person 26,60 Euro aus, etwa im Café.

Der „Tourismusbarometer“ warnt trotz Dynamik vor einem Überdrehen der Preisschraube.

fju_maj_0203 von
08. Mai 2019, 20:08 Uhr

kiel | Der Tourismusforscher Karsten Heinsohn vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) hat davor gewarnt, dass das Gastgewerbe in Schleswig-Holstein angesichts der aktuellen Boom-Phase zu hohe Preise nimmt. „Man muss aufpassen, dass man die Preisschraube nicht überdreht“, sagte der Berliner Wissenschaftler gestern bei der Vorstellung des diesjährigen „Tourismusbarometers“ von Sparkassen- und Giro- sowie Tourismusverband Schleswig-Holstein in Kiel.

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Heinsohn stützte seine Warnung auf Auswertungen der Gäste-Zufriedenheit in verschiedenen Bundesländern. Dazu analysiert das dwif Kommentierungen aus 30 Bewertungsportalen im Internet. Grundsätzlich schneidet das nördlichste Bundesland dort auf einem Index von null bis 100 mit 85,4 Punkten über dem Bundes-Durchschnitt von 83,5 ab. Heinsohn nannte es jedoch „auffällig“, dass die Kategorien Hotel, Zimmer, Service in Schleswig-Holstein über dem Bundes-Mittel abschneiden, nicht jedoch der Preis.

Schwachpunkt Internet

„Noch viel Nachholbedarf“ sieht der dwif-Experte bei einem leicht verfügbaren Internet für Schleswig-Holstein-Touristen. Dieser Punkt werde wie überall am mauesten bewertet – im „echten Norden“ mit nur knapp 50 Punkten auf der 100er-Skala. Um fehlendes Breitband gehe es dabei ebenso wie um Quartiere, die noch immer eine Extra-Gebühr für ein Wlan-Passwort verlangen. Als schwachen Trost gab das dwif mit auf den Weg: Haupt-Konkurrent Mecklenburg-Vorpommern kommt beim Internet sogar nur auf 38,7 Punkte.

Insgesamt untermauern die Messungen des „Tourismusbarometers“ eine anhaltende Erfolgskurve des Erholungsgewerbes zwischen Nord- und Ostsee – wenn auch mit geringerem Zuwachs als ihn die amtliche Fremdenverkehrs-Statistik nahelegt. Weil sie durch eine Aktualisierung des Bestands mehr Quartiere aufgenommen hat, war sie für 2018 auf ein Übernachtungs-Plus von 15,3 Prozent gekommen. Nach einer Modellrechnung des dwif lag der Zuwachs bereinigt um die statistischen Neuaufnahmen „real“ bei 3,5 Prozent. „Noch immer ein Super-Wert mit einem Plus im sechsten Jahr in Folge“, wie Heinsohn betonte. „Meck-Pomm“ erreichte ein Prozent mehr.

Als „oft übersehener Riese“, so Forscher Markus Seibold, hat sich nach neuen dwif-Studien der Tagestourismus im Norden entpuppt. Allein dieser habe 2018 mit 130,4 Millionen Ausflügen, Geschäftsreisen oder Besuchen von Events bei Ausgaben von 26,60 Euro pro Person und Tag für einen Bruttoumsatz von 3,5 Milliarden Euro gesorgt. Das ist ein Drittel vom Tourismus-Umsatz insgesamt.

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