Peters Werft Wewelsfleth : Sanierung der „Peking“: Wie aus einem Schrotthaufen ein Museums-Schiff wird

Sanierung fast fertig: Mark Dethlefs (l.) erläutert Hans-Jörn Arp und Daniel Günther (zweiter v. r.) den Umbau.
Sanierung fast fertig: Mark Dethlefs (l.) erläutert Hans-Jörn Arp und Daniel Günther (zweiter v. r.) den Umbau.

CDU-Politiker besichtigen die historische Viermastbark, die im August als Museumsschiff nach Hamburg überführt werden soll.

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31. Mai 2020, 16:19 Uhr

Wewelsfleth | „Was für ein Schrotthaufen.“ Das war der erste Satz, den Hans-Jörn Arp 2017 gesagt hat, als er das erste Mal sah, was einst eines der modernsten Segelfrachtschiffe der Welt war. „Auch ich habe gedacht: Hätten wir das Schiff mal lieber in New York gelassen“, gibt Mark Dethlefs zu.

Dreieinhalb Jahre später stehen der Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und der Geschäftsführer der Peters Werft an Deck des historischen Viermasters „Peking“, dessen Sanierung in der Werft in Wewelsfleth (Kreis Steinburg) fast abgeschlossen ist. „Ihr habt was draus gemacht“, sagt Arp und schaut sich prüfend um.

Mit 26 Millionen Euro Bundesmitteln saniert

Er ist mit Vertretern der seiner und der Hamburger Bürgerschafts-Fraktion dahin gekommen, wo nicht viele hin dürfen. Nur ausgewählte Besucher bekommen das für 26 Millionen Euro aus Bundesmitteln sanierte Schiff zu sehen bevor es Ende August nach Hamburg geschleppt und dort als Museumsschiff festmachen wird.

Der Traditionssegler „Peking“ wird in der kommenden Wochen an die Stiftung Historische Museen Hamburg übergeben.
Carsten Rehder/dpa

Der Traditionssegler „Peking“ wird in der kommenden Wochen an die Stiftung Historische Museen Hamburg übergeben.

 

Zur Zeit laufen noch Restarbeiten, die sich auch Ministerpräsident Daniel Günther ansieht. Hinter ihm läuft eine Flex, es riecht nach Farbe und Metall, vor ihm sind Arbeiter damit beschäftigt einen der beiden gläsernen Aufzüge ins Schiff einzubauen, damit es barrierefrei wird.

Ansonsten ist hier an Bord so viel wie möglich originalgetreu. Projektleiter Niklas Pfaff
 

180 Tonnen Material verbaut

180 Tonnen Material seien in dem Schiff verbaut worden. Löcher sind so geflickt worden, dass es möglichst wenig auffällt, der gesamte Laderaum ist durchgehend begehbar – und zeigt damit die Besonderheit dieses fast 110 Jahre alten Segelschiffes, das aus der Reihe der sechs legendären Flying-P-Liner stammt, der auch die „Passat“, die als Museumsschiff in Travemünde liegt, die noch seetüchtige „Kruzenshtern“ oder die „Pamir“ angehören, die 1957 in einem Hurrikan sank.

Schwimmende Legende: Der Flying P-Liner „Passat“ war bis 1957 für die Hamburger Reederei Laeisz als Frachtsegler im Einsatz.
imago/imagbroker

Schwimmende Legende: Der Flying P-Liner „Passat“ war bis 1957 für die Hamburger Reederei Laeisz als Frachtsegler im Einsatz.

 

Weiterlesen: Zu Besuch auf der „Peking“ in der Peters Werft: Wie das legendäre Schiff restauriert wird

Noch ist nicht alles so, dass es für Besucher attraktiv ist. Dort wo einst die 35 Mann Besatzung schliefen, sind nur leere Räume zu sehen. „Der Innenausbau wird im Rahmen der Museumsöffnung erfolgen“, so Pfaff. Dabei sollen die Besucher zuschauen dürfen.

Daniel Günther ist beeindruckt

Viel ist nicht bekannt über das Innere der Viermastbark. Es gibt keine historischen Fotos von innen und bei der Farbgebung mussten sich die Werft-Arbeiter an drei historischen Zeichnungen orientieren. „Wir hoffen, dass der Maler damals die richtigen Farben ausgewählt hat“, sagt Niklas Pfaff.

Stattlicher Segelfrachter: Die „Peking“ auf der Peters Werft in Wewelsfleth im Kreis Steinburg.
Stattlicher Segelfrachter: Die „Peking“ auf der Peters Werft in Wewelsfleth im Kreis Steinburg.
 

Daniel Günther ist beeindruckt, was aus der Schiffsruine geworden ist. Ist denn ein weiteres Museumsschiff der P-Liner nötig, wenn es doch schon die „Passat“ gibt? 

Ich glaube schon, dass es viele Menschen gibt, die mit diesem Schiff Erinnerungen verbinden und es zu einer Besucherattraktion werden kann. Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein
 

Aber 26 Millionen? Das ist schon eine Stange Geld. „Stimmt“, sagt Günther. Mehr nicht. Mark Dethlefs jedenfalls freut sich, dass die Restauration bald abgeschlossen ist. Erleichtert sei er nicht, eher stolz, dass seine Mitarbeiter so eine einzigartige Arbeit so gut hinbekommen hätten. Und wenn die „Peking“ Ende August Wewelsfleth nicht als Schrotthaufen, sondern als schwimmfähiges Schiff verlässt, dann wird er vor allem einen Gedanken haben: „Auftrag ausgeführt.“

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