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Hamburger Schanzenviertel : Rückkauf-Pläne für Rote Flora sind Besetzern gleichgültig

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sie zahlen Strom-, Wasser- und Abfallgebühren, aber keine Miete – und sie wollen bleiben. Die Besetzer der Roten Flora auf der Hamburger Schanze wollen nicht mit dem Senat verhandeln.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Trotz haben Vertreter des links-autonomen Kulturzentrums gestern auf den möglichen Zwangsverkauf ihres Domizils an die Stadt reagiert. „Wir wollen das Projekt so weiterbetreiben wie bisher. Da ist es unerheblich, wem es gehört“, sagte „Flora“-Aktivist Klaus Waltke vor der Presse. Das seit 1989 dauerbesetzte autonome Kultur- und Veranstaltungszentrum werde weiterhin „unverträglich sein“.

Verhandlungen mit dem Senat über die künftige Nutzung lehnen die Aktivisten ab. Waltke: „Wir wollen darüber keine Gespräche führen.“ „Flora“-Anwalt Andreas Beuth erkannte im Kaufbemühen der Stadt immerhin die ausgestreckte Hand. Aber: „Es ist noch zu früh, diese anzunehmen.“ Die Stadt bemüht sich, die Immobilie wieder in ihr Eigentum zu bringen, um den brodelnden Krisenherd zu entschärfen. Dazu hat der Senat dem Eigentümer Klausmartin Kretschmer angeboten, das marode Ex-Theater für 1,1 Millionen Euro zu übernehmen. Geht Kretschmer darauf bis zum 4. Februar nicht ein, will die Stadt ein Wiederkaufsrecht durchsetzen und dann nur jene 190.000 Euro überweisen, die der Immobilienkaufmann beim Erwerb 2001 bezahlt hatte.

Kretschmer will die „Flora“ dagegen angeblich für mindestens fünf Millionen Euro verkaufen. Im Herbst hatte er Pläne für den Umbau des Gebäudes in ein kommerzielles Veranstaltungszentrum präsentiert und den Besetzern eine Räumung angekündigt. Die Drohung löste schwerste Krawalle mit hunderten Verletzten aus. Die 1,1-Millionen-Offerte weist der Eigentümer als „Erpressungsversuch“ zurück. Beuth schließt eine neuerliche Eskalation nun nicht aus. Die Besetzer des heruntergekommenen Gründerzeitbaus werden dort seit fast 25 Jahren geduldet, zunächst von der Stadt, seit 2001 vom „Kulturinvestor“ Kretschmer. Feste Bewohner gibt es nicht, jedoch etliche Veranstaltungen links-alternativer Prägung. Die Nutzer zahlen Strom-, Wasser- und Abfallgebühren, aber keine Miete. Den Abschluss eines Nutzungs- oder Mietvertrags lehnen die Anarcho-Floristen ab.

Beuth wiederholte seine massiven Vorwürfe an die Adresse der Polizei. Diese habe die „Flora“-Demo am 21. Dezember mit 7000 Teilnehmern „angegriffen“ und Auseinandersetzungen „provoziert“; dabei seien 440 Demonstrationsteilnehmer verletzt worden. Auch widersprach der Rechtsanwalt erneut der Darstellung der Ordnungshüter einer versuchten Attacke vermummter Autonomer auf die Davidwache am 29. Dezember. Mit dem möglichen Sturm auf die Kiezwache hatte die Polizeiführung die umstrittene Ausweisung eines großen Gefahrengebiets mit Sonderkontrollrechten begründet.

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