Rocker-Schlägerei in Schwesing: „Wie ein Gemetzel . . .“

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29. August 2018, 20:05 Uhr

Massenschlägerei in Schwesing bei Husum, Razzia in Österrönfeld bei Rendsburg, Angst vor einem Bandenkrieg in Hamburg nach einem mutmaßlichen Attentat auf St. Pauli – die Rocker-Szene im Norden hält die Polizei zurzeit in Atem. Braut sich da etwas zusammen? Und gibt es zwischen den einzelnen Vorfällen überhaupt Quer-Verbindungen?

Die brutale Prügelei vor elf Tagen bei einem Beschleunigungsrennen auf dem Flugplatz Husum-Schwesing, bei der drei Beteiligte schwer verletzt wurden (wir berichteten), und das Rockertreffen eine Woche später im Kreis Rendsburg-Eckernförde sollen schon mal keinen Bezug zueinander haben. Das jedenfalls erklärt das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel auf sh:z-Anfrage: Die Party in Osterrönfeld sei die geplante Veranstaltung eines Clubs gewesen, „dessen Mitglieder an der Auseinandersetzung in Schwesing nicht beteiligt waren“. Die Frage, ob die Bluttat auf dem Kiez, wo in der Nacht zum vergangenen Montag ein Rocker niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde, mit dem Streit zwischen „Hells Angels“ und den „Mongols“ – wie vermutlich in Schwesing – zu tun habe, blockt das LKA ab: „Zu laufenden Verfahren eines anderen Bundeslandes geben wir keine Einschätzung ab.“

Wie auch immer: Nicht nur die Kollegen in Hamburg sind gerade hochgradig sensibilisiert, wenn es um das Milieu geht, sondern auch die Soko „Rocker“ in Kiel. Schließlich lockt am Wochenende das legendäre Werner-Rennen die Massen an. Grundsätzlich rechne man schon mit Rockern in Hartenholm, so eine LKA-Sprecherin: „Wobei sie nach außen hin schwer zu erkennen sein werden, da die verbotenen Vereine ihre Insignien nicht zeigen dürfen.“

Und wie ist der Ermittlungsstand in Sachen Schwesing, wo das LKA nach der Massenschlägerei beim Hot Wheelz Zeugen um Bild- und Videomaterial gebeten hatte? Auch hier hält man sich aus ermittlungstaktischen Gründen eher bedeckt. Nur so viel: Es seien Fotos oder Filme eingegangen, durch die das LKA weitere Erkenntnisse erhalten habe. Und es gebe weitere Augenzeugen, die sachdienliche Informationen geliefert hätten.

Ob auch jene Besucherin des Events dazugehört, die den Vorfall auf Facebook aus ihrer Sicht geschildert hat, ist nicht bekannt. Demnach habe eine Gruppe von mehr als 30 Personen – zum Teil an ihrer rot-weißen Kleidung erkennbar als „Red Devils Flensburg“, die als Unterstützer der „Hells Angels“ gelten; dazu Kuttenträger der „Devils“-Supporters-Gruppe „Satisfaction Grenz MC Westcoast Husum“ – regelrecht auf „vier andere Typen“ gewartet und diese sofort angegriffen. Die Zeugin schreibt davon, dass dabei „irgendein Gas“ sowie Schlagringe zum Einsatz gekommen seien, „mindestens zehn Mann“ auf einen am Boden Liegenden eingetreten und „die Rot-Weißen“ am Ende mit Gartenstühlen auf die anderen eingeprügelt hätten: „Das glich einem Gemetzel aus einem schlechten Action-Film ...“.

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