Jürgen Muhls Fußball-Kolumne : Revier-Ärger, Vier-zu-Eins, Warte-Stellung

In seiner Sport-Kolumne schreibt Jürgen Muhl jeden Sonntag über die aktuellen Ereignisse in der Sportwelt.

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27. September 2020, 17:47 Uhr

Grausam

Ein Begriff, der im Fußball eigentlich nichts verloren hat. Wie auch im gesamten Sport nicht. Hin und wieder aber passt diese Bezeichnung wie die Faust aufs Auge – eine im Boxsport hinlänglich bekannte Art zur Formulierung der Trefferqualität.

Ziemlich genau traf der Schalker Ozan Kabak den am Boden liegenden Bremer Augustinsson mit einer der übelsten Gemeinheiten aus dem Strafenkatalog. Spucken – einfach widerlich. Unappetitlich, einfach zum Wegschauen.

So haben es das Schiedsrichtergespann im leeren Stadion und auch die Video-Kollegen im Kölner Kellerstudio gehalten. Einfach wegschauen. Das Sportgericht des DFB muss jetzt handeln und den Profi hart bestrafen. Und die Schiedsrichter, ob auf dem Spielfeld dabei oder schlafend im Keller, sollten eine gelbe Karte erhalten.

Schalkes Misere

Grausam war die Leistung der Schalker. Sie wollten nicht, sie konnten nicht. Können sie überhaupt? Die falsch zusammengestellte internationale Auswahl mit Akteuren, die kaum wissen, dass es sich bei Schalke um einen Stadtteil von Gelsenkirchen handelt, hat David Wagner den Job gekostet.

18 sieglose Spiele in Folge, das muss man erst einmal schaffen. Letztendlich ist es gut, dass zu diesem gescheiterten Spielversuch keine Zuschauer zugelassen waren. Sie hätten aus Schalker Sicht und aus Gründen der fehlenden Moral mit Fug und Recht ihr Eintrittsgeld zurückverlangen können.

Dem Verein blieb keine andere Wahl als den völlig überforderten David Wagner nach Hause zu schicken. Ein Großteil der Herren Profis sollte Wagner begleiten. Beim FC Schalke 04 muss ein Neuanfang her. Wenn der mal nicht zu spät kommt.

Weiterlesen: Schalke: Wagner freigestellt – Wilde Trainer-Spekulationen

Fußball-Wunder in Sinsheim

Es geht also doch: Eben, die Bayern zu besiegen. Endlich eine Sensation. Und das schon am zweiten Spieltag. Mit erfrischendem Fußball nach vorn hat Hoffenheim am Sonntag ein Wunder vollbracht. Vier-zu-Eins. Ein Riesenspiel. Ein Fußball-Wunder. Mit Sebastian Hoeneß als Trainer auf der TSG-Bank. Sein Onkel Uli wird darüber nicht erfreut sein, der Rest der Familie vielleicht schon. Der Sieg der Hoffenheimer wird der Liga Mut machen. So kann es doch noch eine spannende Saison werden. Die Hoffnung heißt Hoffenheim. Und Sebastian Hoeneß.

BVB patzt

Borussia Dortmund hat wieder einmal versagt und konnte die Panne der Bayern nicht nutzen. Beim BVB hängt nach der Pleite in Augsburg der Haussegen schief. Das mit vielen Millionen zusammengestellte Starensemble hat nicht immer so recht Lust auf Leistung. Und Trainer Lucien Favre reagiert mehr mit klugen Sätzen als mit Konsequenzen.

Es sei schwer, diese Niederlage zu akzeptieren, beklagt sich Favre. Er muss es akzeptieren. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michael Zorc glauben weiterhin an ihren Trainer. Der einzige, der in der Führung grummelt, ist Matthias Sammer. Er kassiert ein üppiges Honorar als Berater. Was er wohl rät?

Nord-Hoch

Wenn auch nur in Liga zwei: Der FC St. Pauli und Holstein Kiel sind prima gestartet. Sollte der HSV heute Abend in Paderborn punkten, wird auch er als großer Titel-Favorit seinen Ansprüchen gerecht. Das wäre kein Fußball-Wunder.

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