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22. August 2017 | 05:55 Uhr

Reisen mit gutem Gewissen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Nachfrage nach einem umwelt- und sozialverträglichen Urlaub in Schleswig-Holstein ist weit größer als das Angebot

Intakte Natur, umweltverträgliche Unterkünfte und Freizeitangebote sowie faire Arbeitsbedingungen – für immer mehr Schleswig-Holstein-Urlauber sind dies entscheidende Kriterien für eine Buchung. Doch das Land zwischen den Meeren muss in puncto „Nachhaltigkeit“ im Vergleich zu anderen Bundesländern und Skandinavien erheblich aufholen. Das gestrige Sparkassen-Tourismusbarometer in Kiel erklärte die Nachhaltigkeit zum Tagesthema.

„Diesen Zug darf das Land nicht verpassen, nur nachhaltig ist der Tourismus zukunftsfähig“, sagte Karsten Heinsohn vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr(dwif Consulting), einer der Referenten des Fachforums mit 120 Gästen aus Politik, Tourismus und Wirtschaft. Der Naturschutz sowie die Energie- und Ernährungswirtschaft seien schon viel weiter, der Tourismus müsse sein Nachhaltigkeits-Profil erst entwickeln, doch dafür bleibt nicht viel Zeit. „Der Druck von außen ist enorm, die Nachfrage ist weit größer als das Angebot. Ändert sich dies nicht, verliert das Land derzeitige und potenzielle Urlauber“, betont Heinsohn.

Aussichten, die eine Branche nicht gebrauchen kann, deren Barometer endlich wieder klar auf Wachstum steht und für die Wirtschaftsminister Reinhard Meyer mit seiner Strategie bis 2025 herausfordernde Ziele gesetzt hat. Demnach soll die jährliche Übernachtungszahl von derzeit knapp 25 auf 30 Millionen, der Bruttoumsatz um 30 Prozent steigen und Schleswig-Holstein vom derzeit siebten auf den dritten Platz im bundesweiten Ranking der Gästezufriedenheit klettern. „Das wird nur durch 30 000 neue Betten, erhebliche Qualitätsverbesserung und einen nachhaltigen Tourismus möglich sein“, betonte Prof. Mathias Feige (dwif).

Als „Speerspitze“ für einen Urlaub im Einklang mit der Natur nannte der Experte die Nordsee mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer. An der Ostsee und im Binnenland gebe es nur punktuell positive Beispiele. „Nachhaltiger Konsum ist aber schon lange kein Nischen- sondern ein Trendthema, der Tourismus muss sich nachhaltig wandeln“, forderte Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein. Dem stimmten auch die Vertreter des Tourismusverband als zweiten Gastgeber der Tagung zu. „Unsere Gäste haben ein überproportionales Interesse an einen umwelt- und sozialverträglichen Urlaub“, sagte Vorsitzender Jörn Klimant. Doch für die Neuorientierung brauche es personelle und finanzielle Ressourcen. „Damit wir nicht nur informieren, sondern auch motivieren und unterstützen können“, sagte Geschäftsführerin Catrin Homp. Schon jetzt sei die Qualifizierungs-Bereitschaft der touristischen Betriebe rückläufig, meist aus Kostengründen. „Nach eingehender Diskussion hat das Land die Nachhaltigkeit in die Tourismusstrategie aufgenommen und zum Leitprojekt erklärt“, sagte Tourismus-Staatssekretär Ralph Müller-Beck. Nun wird ausgelotet, welche Förderchancen es gibt. „Hamburg, Dänemark und Jamaika treten dem boomenden Schleswig-Holstein bei“, sagte Slam-Poet Björn Högsal in seiner Persiflage auf die Tourismusstrategie. Bis dahin ist es noch weit. „Trotz Wachstum hat Schleswig-Holstein derzeit weniger Urlauber als vor 20 Jahren“, sagte Feige.

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erstellt am 07.Mai.2014 | 19:10 Uhr

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