Fussball-Kolumne : Reise-Virus, Arp-Bonus, Pokal-Sieger

In seiner Kolumne schreibt Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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27. Juni 2021, 20:38 Uhr

So ziemlich volle Stadien, dazu Fans, die sich zu Tausenden um den Hals fallen. Prächtige Fußballfolklore wie aus einer anderen Zeit. Verführerische Bilder also. Als wäre nichts geschehen zwischen der Weltmeisterschaft 2018 und dem Sommer 2021. Haben wir es etwa mit einem Täuschungsmanöver zu tun, was uns die Fernsehanstalten frei Wohnzimmer oder Terrasse anbieten? Wohl eher nicht. Es sind echte Live-Bilder. Corona ist ausgeblendet. Über 100 finnische Fans haben sich auf ihrer kurzen Reise nach Sankt Petersburg, was quasi gegenüber auf der anderen Ostseeseite liegt, infiziert.

In Dänemark mussten rund 4000 Zuschauer, die bei der Partie gegen Russland dabei waren, zum Massentest. Gab es doch nach dem Spiel zehn positive Tests auf die Delta-Variante. Inzwischen sind mehrere Nationalspieler positiv getestet worden: Der Kroate Ivan Perisic, der Portugiese Joao Cancelo, der Russe Andrej Mostowoi, der Schotte Billy Gilmour, die beiden Schweden Dejan Kulusevski und Mattias Svanberg. Und die stolzen Spanier melden Sergio Busquets und Diego Llorente.

Uefa zieht ihr Ding durch

Das wird nicht alles gewesen sein bei dieser Europameisterschaft. Die Uefa hat mit ihrem Druck, möglichst viele Zuschauer in die Stadien zu lassen, die Länder und Städte unter Zugzwang gesetzt. Wie in London, wo am Dienstag gegen Deutschland bis zu 45.000 Zuschauer willkommen geheißen werden sollen. In einer Stadt, in der das Virus gerade wieder auflebt und neue Schicksalsschläge vorbereitet. Was die Funktionäre nicht anficht. Sie ziehen ihr Ding durch. Gnadenlos.

So richtig rechnen konnte man nicht mit der Verpflichtung. Jann-Fiete Arp spielt für Holstein Kiel. Ausgeliehen vom FC Bayern München, der dem 21-Jährigen angeblich fünf Millionen Euro im Jahr zahlt. Der aus Segeberg stammende Arp hat es beim FC Bayern nicht geschafft. Selbst in der zweiten Mannschaft, die aus der 3. Liga in die Regionalliga abgestiegen ist, reichte es nicht zum Stammplatz. Womöglich hat sich der junge Mann aus Holstein im bayerischen Haifischbecken nicht wohlgefühlt.

Arp zurück in den Norden

Arp, der vom HSV zu den Bayern wechselte, mag angesichts seiner bodenständigen Art besser zu Holstein Kiel passen. Was Holstein dem FC Bayern an Gehalt abnimmt, ist nicht bekannt. Insgesamt werden es weiter fünf Millionen Euro sein. Wird der Neu-Kieler, dessen Vertrag bei den Bayern noch bis 2024 läuft, doch auf keinen Cent verzichten. Holstein hält an seiner vorsichtigen Art, Geld auszugeben, fest. Arps Vertrag läuft an der Kieler Förde nur ein Jahr. Bis dahin weiß der Zweitligist, was Jann-Fiete Arp kann.

So ist es im Sport. Freud und Leid liegen eng beieinander. Wie in Flensburg, wo es mit dem Titel des Deutschen Handballmeisters nicht ganz geklappt hat. Freude dagegen bei den Regionalliga-Fußballern des SC Weiche Flensburg 08. Sie wurden mit einem 2:1 über den 1. FC Phönix Lübeck schleswig-holsteinischer Pokalsieger und ziehen in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde ein. Dafür gibt es 130 000 Euro. Viel, viel Geld für einen Viertligisten, den die eigene Stadt bis heute nicht auf der Rechnung hat. Hat doch Flensburg das städtische Stadion verkommen lassen.

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