„Reich wird man mit Minigolf nicht“

Den Schläger hat Waldemar Motschall, Betreiber der Minigolfanlage in der Parnaßstraße, eigentlich nie selbst in der Hand.
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Den Schläger hat Waldemar Motschall, Betreiber der Minigolfanlage in der Parnaßstraße, eigentlich nie selbst in der Hand.

Wedeler Urgestein Waldemar Motschall pachtete die Anlage, die in diesem Jahr seit 60 Jahren besteht, vor acht Jahren

shz.de von
26. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Hier ist alles ganz einfach, nicht First Class, aber wir sind gastfreundlich“, sagt Waldemar Motschall und lässt den Arm einmal über die 18  Bahnen seiner Minigolfanlage kreisen. Diese gibt es im Juni seit 60  Jahren in der Parnaßstrasse 11. „Es ist alles ein wenig in die Jahre gekommen, aber wir pflegen es, so gut es geht“, sagt der 66-Jährige.

Vor acht Jahren hat Motschall die Bahn übernommen. Die damalige Besitzerin hatte ihn angesprochen. Wie kam es dazu? Ist er begeisterter Mini-Golfer? Motschall lacht laut auf: „Ich habe in meinem ganzen Leben vielleicht einmal Minigolf gespielt. Ich habe mich geärgert, wie es hier aussieht und dachte, dass man doch etwas machen muss.“ Da er direkt gegenüber der Anlage wohnt, kannte er das Areal nur zu gut. Nach kurzen Verhandlungen stand fest, dass er das Gelände von der Stadt pachtet und die Verbindlichkeiten der Vorbesitzerin ablöst. „Plötzlich war ich Besitzer einer Minigolfanlage“, erinnert sich Motschall. Damit begann die Arbeit.

„Wir haben hier acht Lkw-Ladungen Müll rausgeholt“, sagt Motschall. „Das war sehr, sehr viel Arbeit.“ Die 18 Bahnen hatten sich teilweise in den Boden gegraben, waren verdreckt, die Gehplatten lagen wild durcheinander. „Ich bin nach der Arbeit hierhin und habe bis Mitternacht gewerkelt“, erläutert der ehemalige Tiefbauer. „Die Platten lagen im Dreck. Die habe ich allein ausgerichtet. Kuhfuß drunter und dann ging es rund. Damals ging das noch.“ Seitdem ist er jeden Tag auf der Anlage. Unter der Woche öffnet er um 13  Uhr und an Wochenenden, Feiertagen und den Schulferien in Hamburg und Schleswig-Holstein um 11 Uhr. Ende ist offiziell gegen 21 Uhr oder „wenn es dunkel wird“.

„Es gibt immer was zu tun“, sagt Motschall. Derzeit kämpft er täglich gegen die Blütenpollen, die die Bahnen verkleben. „In ein, zwei Wochen können wir die Bahnen dann mit der Spezialfarbe streichen, damit alles wieder schön wird“, so der Betreiber.

Kanada, Dubai, Schweiz, Norwegen, Schweden – Motschall zählt die Länder auf, aus denen schon Gäste bei ihm gespielt haben. „Wir haben viele Stammgäste, aber auch viele auswärtige Besucher“, erläutert er. Auf seinem Handy hat er ein Foto seiner Frau Monika, die gestern ihren Geburtstag feierte, und NDR-Moderator Yared Dibaba. „Wir haben auch Promis hier“, sagt Motschall stolz und grinst dann breit: „Auch unser Bürgermeister Niels Schmidt hat mal hier gespielt. Aber nachdem er verloren hat, habe ich ihn nie wieder gesehen.“ Die Aufzählung der Länder könnte allerdings auch die Dekoration beschreiben, die es rund um die Minigolfanlage gibt. Zu jeder Fußball-Welt- und Europameisterschaft hisst Motschall die Flaggen der teilnehmenden Länder – und vor allem die Deutsche Fahne.

„Ich weiß gar nicht, woher die Begeisterung für die Turniere kommt“, sagt Motschall. Seine Frau Monika ist sicher: „Wahrscheinlich, weil Du selbst zehn Jahre Trainer bei Roland, in Rissen und Holm warst.“ Doch beschränkt sich seine Leidenschaft nicht nur auf die Anlage. „Weltmeister 2018? Jaaa!“ steht auf seinem Auto unter dem FIFA-WM-Pokal, der auch viermal auf der Motorhaube zu sehen ist. Seine Sympathien sind klar beim Deutschen Team. „Und Island finde ich super. Denen würde ich es auch gönnen. Letztendlich zählt für mich, dass der Bessere gewinnen soll“, sagt Motschall.

„Das ist sein Baby“, sagt Monika Motschall. Ihr Mann Waldemar bestätigt: „Ich mache hier weiter, bis ich den Löffel abgebe und dann lasse ich mich unter Bahn 18 beerdigen. Ich mache weiter, solange ich kann.“ Sein Wunsch sei, dass eines seiner fünf Kinder die Anlage weiterführt. „Wenn ich Geld hätte, würde ich eine richtig große Hütte hier hinsetzen, unsere ist auch schon 60 Jahre alt. Feste Toiletten, alle Bahnen neu machen und es dann meinen Kindern übergeben“, sagt der Betreiber. Doch fehlt das Geld. „Reich wird man mit Minigolf nicht“, sagt er. Daher hofft er auf Unterstützung in der Zukunft: „Es wäre schön, wenn sich jemand erbarmt, ein großes Herz hat und die Pflastersteine ersetzt.“

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