Realismus, Respekt – und der Glaube an die eigene Stärke

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Holstein-Trainer Ole Werner weiß, wie unwahrscheinlich eine Sensation gegen die Bayern ist – chancenlos sieht er sein Team deshalb aber noch lange nicht

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12. Januar 2021, 14:42 Uhr

Kiel | Besondere Spiele erfordern offenbar auch besondere Kleidung – folglich läuft heute Abend sowohl Holstein Kiel als auch Bayern München im Sondertrikot auf, wenn es um den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals geht. Im Schein des Flutlichts wollen die Kieler trotz schwarzer Jerseys keine dunkle Stunde erleben, sondern den „Stern des Südens“ im hohen Norden in den Schatten stellen (20.45 Uhr/ ARD und Sky).

Schon vor dem Anpfiff klein beigeben will Ole Werner (Foto, links) auf keinen Fall, auch wenn die Rollen vor dem K.o.-Duell mit dem deutschen Rekordmeister und Rekordpokalsieger klar verteilt sind. „Logischerweise sind wir der Underdog“, meinte der Kieler Trainer gestern, natürlich wisse man, „was da für eine Aufgabe auf uns zukommt“. Übergroßen Respekt ließ der 32-Jährige allerdings nicht erkennen. Die Chance auf einen Erfolg werde zwar „zu Spielbeginn wahrscheinlich nicht allzu hoch beziffert. Aber wir werden versuchen mit einer guten Leistung die Chance im Laufe des Spiels größer werden zu lassen, dass es vielleicht auch eine Überraschung geben kann“, betonte Werner: „Wir wollen das für uns bestmögliche Spiel zeigen und zeigen, was wir können.“

Die starke Zweitliga-Saison hat für eine breite Brust gesorgt. Es bestehe zwar durchaus „eine besondere Motivation, sich mit der besten deutschen und aktuell auch weltweit besten Vereinsmannschaft zu messen“. Das sei aber „nichts, was zu anderen Abläufen führt, als wir sie sonst haben“. Ohnehin war Werner um Normalität bemüht – ganz so einfach war das aber gar nicht. „Für einen Verein wie Holstein Kiel ist es etwas Besonderes, die Bayern in einem Pflichtspiel empfangen zu dürfen“, sagte er etwa, vor allem mit Zuschauern im Stadion wäre es „ein absoluter Festtag geworden“. Schnell richtete er dann aber den Blick wieder fokussiert auf das Sportliche und betonte: „Wir werden versuchen, alle Chancen, die sich uns in irgendeiner Form bieten, auch zu nutzen.“ Seine taktischen Gedanken kreisen dabei nicht nur um die zu erwartende Defensivarbeit. „Realistisch betrachtet wird es so sein, dass die Bayern häufiger den Ball haben als wir“, sagte Werner, „aber wenn du den Ball dann gewinnst, musst du auch wissen wohin damit und kannst die Murmel nicht nur irgendwohin dreschen, denn sonst wird es ein langer Abend.“

Einen langen Abend will auch Bayern-Coach Hansi Flick (Foto, rechts) vermeiden – heißt: Weiterkommen nach 90 Minuten. Sich kleinreden liegt nicht im Mia-san-mia-Naturell der Münchner. „Es ist unser Anspruch, dieses Spiel zu gewinnen“, stellte der 55-Jährige unmissverständlich klar. Sportlich fair sprach er aber natürlich auch von Holstein Kiel, das nichts zu verlieren habe, als „Aufgabe, die wir mit dem nötigen Respekt angehen werden“. Letztlich gehe es aber „darum, dass wir unsere Leistung auf den Platz bringen und unser Optimum ausschöpfen. Wenn man das nicht tut, haben auch andere Gegner die Möglichkeit, das auszunutzen.“ Genau darauf hoffen heute die Kieler.

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