Puppenmacherin mit Geschäftssinn

Käthe Kruse setzte auf Natürlichkeit.
Käthe Kruse setzte auf Natürlichkeit.

Sie setzte auf Spielpuppen mit schlichten Gesichtern und weichen Stoffkörpern: Vor 50 Jahren starb Käthe Kruse

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17. Juli 2018, 13:56 Uhr

Ihr Name weckt Erinnerungen an Kindheit, an Puppen, mit denen sich hingebungsvoll spielen und träumen ließ. Puppen mit schlicht wirkenden Kindergesichtern und weichen Stoffkörpern, erschaffen von der Puppenmacherin Käthe Kruse (1883-1968). Sie hatte ein Gespür für kindliche Bedürfnisse. „Die Puppe muss etwas zum Liebhaben sein. Das ist ihr Sinn und Zweck“, erklärte sie in ihrer Autobiografie „Das große Puppenspiel“.

Handwerkliches Geschick und künstlerisches Talent, gepaart mit Geschäftssinn, machten Käthe Kruse zu einer erfolgreichen Unternehmerin. Sie starb vor 50 Jahren, am 19. Juli 1968. Die Käthe Kruse Manufaktur, 1912 gegründet, besteht bis heute.

Auf eigenen Füßen stehen, sich durchsetzen, hat Kruse früh gelernt. Katharina „Käthe“ Simon kommt am 17. September 1883 in Breslau zur Welt. Ihre Mutter, nicht verheiratet, schlägt sich als Näherin durch. Sie vermittelt dem Kind, dass man für sein Glück selbst zuständig ist, alles selber machen kann. Käthe will Schauspielerin werden, geht 17-jährig nach Berlin und steht bald im Lessingtheater auf der Bühne. Doch dann verliebt sie sich in den Bildhauer Max Kruse, 30 Jahre älter und berühmt. Die beiden werden ein Paar, 1902 wird Maria geboren, das erste ihrer sieben Kinder. Es zieht sie in den Süden, sie lernt italienisch. 1905 lebt sie mit Maria und der zweiten Tochter Sofie eine Weile im Tessin, in Ascona in der dortigen Künstlerkolonie. Die Mädchen sollen Puppen bekommen, Vater Max im fernen Berlin will sie besorgen. Doch er findet das Angebotene scheußlich. Mini-Erwachsene mit kalten Porzellangesichtern seien das. „Macht euch selber welche“, soll er gesagt haben. Und Käthe Kruse macht sich ans Werk. Die erste Puppe aus ihrer Hand ist ein verknotetes, mit Sand gefülltes Handtuch samt einer Kartoffel als Kopf. Daraus entwickelt sie nach und nach die klassische Käthe-Kruse-Puppe.

Sie produziert nach dem Grundsatz „Mechanik  verträgt sich nicht mit Natürlichkeit“. Eine Käthe-Kruse-Puppe hat keine beweglichen Klimperaugen und keine Gelenke. Der Körper ist aus Stoff, weich und warm anzufassen, die Haare kämmbar. Das gilt bis heute.

Das Berliner Warenhaus Hermann Tietz (Hertie) lädt die Puppenmacherin 1910 ein, sich an der Weihnachtsausstellung „Spielzeug aus eigener Hand“ zu beteiligen. Kruses Puppen sind ein Hingucker, viele Besucher wollen eine haben. 150 Stück umfasste der erste große Auftrag.

„Die Vereinigung von Primitivität und Natürlichkeit ist das Geheimnis meiner Puppen“, erklärt sich Käthe Kruse den Erfolg. Diese erste Bestellung wurde noch in Kruses Berliner Wohnung unter chaotischen Bedingungen mit einigen Hilfskräften umgesetzt.

1912 richtet sich die Puppenmacherin in Bad Kösen im heutigen Sachsen-Anhalt eine eigene Werkstatt ein. Es entstanden neue Typen: Schaufenster- und Puppenstubenpuppen aber auch Soldatenfiguren in grauer Uniform. Kruse lässt sich, geschäftstüchtig, „Puppe I“, „Träumerchen“ oder „Schlenkerchen“ patentieren. Heute würde man sagen, Kruse gründete ein klassisches Start-Up, das sich zu einer prosperierenden Firma entwickelte. Ärger blieb nicht aus, wie etwa Ideenklau durch Konkurrenten. So prozessierte die Unternehmerin 1925 mit Erfolg gegen die US-amerikanische Spielzeugfirma Bing, die Kruse-Puppen kopierte. Erstmals wurde einem Spielzeug künstlerischer Urheberschutz zugesprochen.

Nach Gründung der DDR wurde die Puppen-Manufaktur in einen VEB (Volkseigener Betrieb) umgewandelt. Käthe Kruse verlagerte die Produktion ins schwäbische Donauwörth. 1958 übergab sie, mittlerweile Anfang 70, die Firmenleitung an Tochter Hanne Kruse-Adler. Heute setzt der Holzspielzeughersteller Hape die Tradition fort.

Nicht nur Hanne Kruse-Adler ließ sich von der Begeisterung ihrer Mutter anstecken, auch andere Kruse-Kinder waren im Bereich Spielzeug aktiv – etwa Sofie als Schöpferin der Knetmasse „Fimo“. Der Kinderbuchautor Max Kruse (1921-2015) wurde mit seinem Dino Urmel („Urmel aus dem Eis“) fast so berühmt wie Mutter Käthe.

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