Protest mit Beigeschmack

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18. Mai 2018, 12:39 Uhr



Der Vorletzte der Fußball-Kreisliga ABC Wesseln hat im Kampf gegen den Abstieg nach dem letzten Strohhalm gegriffen und eine Wiederholung der mit 4:8 verlorenen Kreisliga-Partie beim TSV Nordhastedt erzwungen. Rein sportlich hinterlässt die Berufungs-Entscheidung des Verbandsgerichtes allerdings einen Beigeschmack, denn auch die Wesselner hatten dem wegen Verletzung des Hauptschiris in der Halbzeitpause vorgenommenen Schiedsrichter-Wechsel zugestimmt. Als sie das Spiel nach 4:2-Führung noch verloren hatten, stellten sie jedoch einen Regelverstoß fest, weil der Ersatzschiri noch keine 16 Jahre alt war und laut § 20 der Schiedsrichterordnung eigentlich kein Herrenspiel leiten durfte. Den Protest gegen die Wertung schmetterte das Sportgericht des KFV Westküste aber ab. Zwar wäre es unstrittig, dass ein 15-Jähriger kein Herrenspiel pfeifen darf, doch dies sei ein Ausnahmefall gewesen und einen Nachteil habe es für die Wesselnern durch den Wechsel nicht gegeben. Mehrere Befragte hätten dem Nachwuchsschiri eine nicht zu beanstandende Leistung bescheinigt. Das Verbandsgericht sah das in der Berufungsverhandlung jedoch anders und überstimmte die Kollegen aus dem Kreis. Die Leistung des Schiris habe bei der Entscheidungsfindung keine Bedeutung, allein der Verstoß gegen den §20 sei bindend. Wesseln sieht sich nun bestätigt, doch die Reaktionen auf das Revisionsurteil hatte beim ABC sicher niemand erwartet. Ein regelrechter Shitstorm prasselt auf den Verein nieder. Wesseln hat sich ganz offensichtlich viele Sympathien mit dem Protest verscherzt. Die Häme dürfte groß sein, wenn das Wiederholungsspiel am Dienstag erneut verloren wird und die Wesselner dann aus der Kreisliga absteigen.

Das Kreisgericht ist übrigens weiterhin der Meinung richtig entschieden zu haben und erwägt nun den Ausschuss für Satzung und Recht anzurufen. Das würde an dem Urteil zu Gunsten der Wesselner zwar nichts mehr ändern, doch könnte dann zumindest eine einheitliche Rechtauslegung für die Zukunft festgelegt werden.


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Die Diskussion über den Fall Wesseln ist noch in vollem Gange, da steht schon die nächste kniffelige Angelegeheit für das Kreisgericht an. Der FC Offenbüttel will nämlich das Pokalfinale anlässlich eines Jubläums in Offenbüttel austragen und dies jetzt einklagen, weil es offenbar zwei schriftliche Zusagen gibt. Allerdings wohl noch vom ehemaligen KFV Dithmarschen und einem einzelnen Mitglied des jetzigen Spielausschusses des neuen KFV Westküste. Im Pokal hat jedoch der klassentiefere Gegner im Regelfall Heimrecht, weshalb Ausschussvorsitzender Egbert Wittek die Vergabe nach Offenbüttel abgelehnt hat. Falls die beiden Oberligisten Heide und Lägerdorf wie erwartet in der kommenden Woche ins Endspiel einziehen werden, hat Wittek im KFV-Vorstand vorsorglich das Heimrecht auslosen lassen. Pikanterweise zog Kreisgerichtsvorsitzender Günther Sendel dabei das Los. Danach würde der Heider SV Heimrecht haben. Niemand hätte allerdings etwas dagegen, wenn der HSV die Offenbütteler mit der Austragung beauftragen würde. Dann wäre die Kuh nämlich vom Eis.

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