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Professionelle Blüten: Polizei hebt Bande aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

13 Verdächtige sollen mit Hunderten falschen Euro-Scheinen bezahlt haben

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 00:31 Uhr

Über Monate hat eine Bande in Schleswig-Holstein mit Blüten bezahlt. Ermittler der Falschgelddienststelle im Landeskriminalamt (LKA) tauften ihre Taten die „Kieler Serie“. Die falschen Scheine waren zunächst in der Landeshauptstadt aufgetaucht, dann in Rendsburg und in Eckernförde, später im Kreis Plön und zuletzt in Schleswig. Gestern schlugen Kripo-Beamte zu: In Kiel und im Umland durchsuchten sie 18 Wohnungen.

Gegen 13 Männer zwischen 20 und 40 Jahren wird ermittelt. „Ihnen wird vorgeworfen, seit Anfang Juni mit gefälschten Banknoten in Schnellrestaurants, Tankstellen, Elektrogeschäften und Diskotheken bezahlt zu haben“, erklärt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts.

Die Masche der Tatverdächtigen: Sie setzten auf kleine Scheine – Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Euro-Noten. Hergestellt wurden die Falsifikate vermutlich in einer professionellen italienischen Fälscherwerkstatt. „Diese Klasse von Scheinen ist uns bereits bekannt, da sie bundesweit in Umlauf gebracht wurde“, so Jung. Ziel sei es nun, die Strukturen des Handels aufzuhellen und die Hinterleute zu enttarnen. Jung: „Wir wollen wissen, wer der Kieler Gruppe das Geld gegeben hat.“

Die Männer mit türkischem Migrationshintergrund bezahlten erstmals Anfang Juni massenhaft mit dem Falschgeld. Danach ging die Zahl der entdeckten Blüten zurück, bis sie seit August wieder anstieg. 316 Falsifikate wurden bislang entdeckt, in 36 Fällen wurde mit Zehn-Euro-Fälschungen, in 220 Fällen mit falschen Zwanzigern und in 60 Fällen mit falschen Fünfzigern bezahlt. Das sind 7760 Euro.

Wie kamen die Ermittler den Tätern auf die Spur? Akribisch sollen die Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet worden sein. Außerdem sollen Betrogene die Täter genau beschrieben haben. Der LKA-Sprecher: „Alle Tatverdächtigen gehören dem allgemein kriminellen Milieu an, sind polizeibekannt.“ Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten Rauschgift, einen Totschläger, Handys und 10 500 Euro Bargeld sicher. Weitere Blüten fanden sie nicht. „Es ist allerdings denkbar, dass die 10 500 Euro ebenfalls durch Inverkehrbringen von Falschgeld erwirtschaftet wurden“, erklärt Jung. „Deshalb ist es möglich, dass noch weitere Fälschungen im Umlauf sind.“

Grundsätzlich nutzen Fälscher heute modernste Druckmaschinen. Werkstätten wurden in Litauen, Bulgarien, im Kosovo und in Italien ausgehoben. „Die Fälschungen werden immer besser“, heißt es beim Nationalen Analysezentrum für Falschgeld bei der Bundesbank. Hologramme und Silberstreifen werden teilweise in Handarbeit aufgebügelt. Ein gut gemachter falscher Hunderter kostet deshalb auf dem Schwarzmarkt mittlerweile 40 echte Euro. In Schleswig-Holstein kommen auf 10 000 Einwohner nur 3,5 gefälschte Euro-Noten, im Bundesdurchschnitt sind es pro 10 000 Einwohner fünf Falsifikate.

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