Pötte kommen an die Steckdose

Im Hamburger Hafen ist eine Landstromanlage schon in Betrieb, jetzt werden auch in Kiel die Landstrompläne konkret.
Im Hamburger Hafen ist eine Landstromanlage schon in Betrieb, jetzt werden auch in Kiel die Landstrompläne konkret.

Landstrom für Kreuzfahrtschiffe und Fähren in Kiel / Kosten von 15,2 Millionen Euro

Margret Kiosz von
18. Juli 2018, 12:44 Uhr

Wenn die Passagiere von Bord gehen, um Landausflüge zu machen oder die Stadt zu erkunden, laufen die Maschinen der Kreuzfahrtschiffe im Kieler Hafen weiter. Der Energiehunger der schwimmenden Ferienburgen ist enorm und entspricht bei einem Schiff mit 2500 Passagieren in etwa dem Stromverbrauch der Stadt Preetz. Zwar wird im Hafen statt mit Schweröl mit Marine-Diesel Strom erzeugt, dennoch belasten neben CO2 und Stickoxiden vor allem Feinstaub und Schwefeloxide das Umfeld. Deshalb gibt es seit Jahren Pläne, die Schiffe per Landstrom zu versorgen und die werden jetzt kurzfristig umgesetzt – zunächst für die beiden Norwegen-Fähren Color Magic und Fantasy, die in Oslo schon seit 2012 an die Steckdose kommen. 2019 sollen dann auch die Schwedenfähren der Stena-Reederei und die großen Kreuzfahrtschiffe Strom von Land bekommen.

Die baulichen Voraussetzungen schafft Kiel in den kommenden Wochen. Für 1,2 Millionen Euro werden die Leitungen zum Norwegenkai gelegt. Der Anschluss an das städtische Stromnetz ist relativ einfach, weil die Fähren der Color Line mit 50 Herz versorgt werden – also kein teures Umspannwerk erforderlich ist. Auf dem Westufer wird die Steckdose für Kreuzfahrer und die Stena-Fähren mit 14 Millionen Euro deutlich teurer und komplizierter, weil die Stromversorgung und die schiffsseitigen Anschlüsse sehr unterschiedlich sind. Trotzdem: Der Seehafen will ein Signal für Umweltschutz setzen und investiert in die Infrastruktur. Ob später wirklich – wie von Seehafenchef Dirk Claus erhofft – 40 Prozent aller Kreuzfahrtschiffe bei ihrem Kiel-Stopp die Generatoren ausstellen und Strom von Land beziehen, hängt jedoch auch von Berlin ab. Während die Reedereien in Schweden und Norwegen die Kilowatt-Stunde zu einem Preis von vier bis sechs Cent kaufen können, müssten sie in deutschen Häfen 15 bis 20 Cent bezahlen. Deshalb setzt sich die Landesregierung dafür ein, die Schiffe, zu Lasten der übrigen Stromkunden, von der EEG-Umlage zu befreien. „Das wollen wir beim Besuch von Wirtschaftsminister Peter Altmaier in Kiel demnächst thematisieren“, kündigte gestern Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs an.

Eine 10 Millionen Euro teure Landstromanlage steht bereits seit drei Jahren im Hamburger Hafen. Genutzt wird der Stecker bisher nur von Aida-Schiffen. In einer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage bestätigt die Bundesregierung die Absicht der Großen Koalition, noch in dieser Legislaturperiode „flächendeckend Landstrom für deutsche Häfen zur Verfügung zu stellen und sich für eine europaweit einheitliche Nutzungspflicht einzusetzen“.

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