„Platt ist allgegenwärtig“

Christianne Nölting hat der Stadtbücherei in Kappeln einen Schwung ihrer Bücher vermacht.
Christianne Nölting hat der Stadtbücherei in Kappeln einen Schwung ihrer Bücher vermacht.

Christianne Nölting aus Gelting koordiniert die Arbeit für die Niederdeutsche Sprache in vier Bundesländern

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16. Mai 2018, 14:19 Uhr

Sie ist mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen und nicht nur das – sie hat sie auch zu ihrem Beruf gemacht: Christianne Nölting ist Journalistin, Moderatorin und seit dem 1. März auch Geschäftsführerin der Gesellschaft Länderzentrum für Niederdeutsch. Dort koordiniert sie alle Aktivitäten, die zur Pflege und zum Erhalt der Sprache in all ihren Variationen in Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein vorkommen.

Frau Nölting, das Plattdeutsche liegt Ihnen am Herzen, und Sie sprechen es quasi hauptberuflich. Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin auf Fehmarn geboren und aufgewachsen – mit Platt. In Kiel habe ich Germanistik mit dem Schwerpunkt Niederdeutsch studiert und schon während des Studiums beim NDR als freie Mitarbeiterin und Moderatorin gejobbt. Beim NDR blieb ich auch nach dem Studium, arbeitete als Redakteurin für Niederdeutsch und Friesisch. Ich habe da quasi alles rund ums Plattdeutsche gemacht.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass Niederdeutsch wieder als Unterrichtsfach an die Schulen kommt.

Ja, vor acht Jahren hat ein Oberschulrat in Hamburg sich darum bemüht, die Sprache als Schulfach einzuführen. Es gab dafür aber kein modernes Lehrmaterial. Daran habe ich gearbeitet – ehrenamtlich. Ich habe den Kindern ein Jahr meiner Arbeitszeit geschenkt, aber es war mir einfach wichtig. Ich gründete die Lernplattform „Plattolio“. Gemeinsam mit anderen Fachleuten haben wir Material für zehn verschiedene Plattvarianten geschaffen und „Plattolio“ in Berlin vorgestellt. Ich bekam von allen Seiten Unterstützung.

Jetzt leben Sie mit Familie und Hund in Gelting. Wie sind Sie gerade nach Angeln gekommen?

Das war der Westwind (lacht). Ich bin Seglerin, und wir waren schon früher gern hier. Man kommt mit dem richtigen Wind so schnell in die schönen kleinen dänischen Häfen. Irgendwann haben wir uns hier ein Ferienhaus gekauft. Und vor zwei Jahren sind wir dann ganz umgezogen.

In Kappeln gibt es den Niederdeutschen Literaturpreis. Waren Sie schon einmal da?

Ja, zum ersten Mal als Irmgard Harder den Preis bekommen hat. Ich war als Reporterin dabei, saß auf dem Ü-Wagen neben der Koslowski-Halle und konnte von der Verleihung nichts sehen.

Welche aufgaben haben Sie als Geschäftsführerin des Länderzentrums für Niederdeutsch?

Es geht darum, über die Ländergrenzen hinauszuschauen, um die Verknüpfung von Vorhandenem. Hier soll nicht das Rad neu erfunden werden. Es gibt schon sehr viel in den Ländern, zum Beispiel Plattdeutsch in der Pflege, in der Kirche, in den Medien, in der Schule.

Die plattdeutsche Sprache bedeutet Ihnen viel. Was macht diese Sprache für Sie aus?

Platt ist allgegenwärtig. Man begegnet der Sprache auf der Straße, im Supermarkt und im Theater. Heute fuhr ein Auto vor mir – ein Dachdecker, der auf Plattdeutsch für seine Firma wirbt. Platt – das bedeutet Identifikation mit dem nahen Umfeld. Platt ist der Schlüssel zur Region. Bei Lebensmitteln wird viel Wert auf Regionalität gelegt, warum macht man ausgerechnet bei der Sprache eine Ausnahme?

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