Preis-Jo-Jo : Onlinehandel: Preise schwanken teilweise stündlich

Heute 129,80 Euro – morgen 159,80? Das kann beim Online-Shoppen passieren.
Heute 129,80 Euro – morgen 159,80? Das kann beim Online-Shoppen passieren.

Aufgefallen ist der ständige Wechsel der Preise Verbraucherschützern. Sie untersuchten das Spiel je nach Tageszeit.

shz.de von
08. August 2018, 14:29 Uhr

Im Internet fahren die Preise manchmal Achterbahn. Da kann die gleiche Designer-Jeans in einem Online-Shop an einem Tag 79,95 Euro und am nächsten 199,95 Euro kosten. Und der Preis für ein paar modische Sportschuhe kann tagelang zwischen 39,99 Euro und 59,99 Euro hin und her pendeln. Wer zum richtigen Zeitpunkt kauft, darf sich freuen. Wer aber im falschen Moment zuschlägt, zahlt drauf. Im Falle eines Handys lagen ganze 220 Euro zwischen dem niedrigsten und dem höchsten angebotenen Preis eines Händlers. Bei einem Online-Shop für Autozubehör waren Autobatterien oder Reifen jeweils am Vormittag bis zu 30 Prozent teurer als am Nachmittag zuvor.

Aufgefallen ist das Preis-Jo-Jo dem Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg, das jetzt die Preisgestaltung bei 16 Online-Händlern von A wie ATU bis Z wie Zalando unter die Lupe nahm. Das Ergebnis: 15 der 16 untersuchten Händler änderten regelmäßig die Preise für Teile ihres Sortiments – bei einzelnen Produkten fast täglich. An sich sind häufige Preisänderungen im Handel nichts Neues. Jeder Autofahrer kennt sie von der Tankstelle. Doch wer im Internet einkauft, sieht sich plötzlich überall damit konfrontiert.

Algorithmen legen Preise fest

Der auf E-Commerce spezialisierte Marktforscher Metoda zählte 2017 innerhalb eines Monats bei knapp 2000 erfassten Online-Shops mehr als 17 Millionen Preisveränderungen. Allein bei Amazon.de wurden über 3,6 Millionen registriert. Möglich ist das nur, weil Preise im Online-Handel inzwischen oft vom Computer festgesetzt werden, der mit seinen Algorithmen dabei eine Vielzahl von Faktoren von den Konkurrenzangeboten über die eigenen Lagerbestände bis hin zum Wetter berücksichtigt.

Für den Verbraucher ist das Ganze schwer durchschaubar. „Der Kunde kann nicht einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder draufzahlt“, warnt Marktwächter-Teamleiterin Kirsti Dautzenberg. „Die fehlende Transparenz lässt das Vertrauen der Kunden schwinden“, mahnt sie. Doch nicht nur denen ist das Preis-Durcheinander unheimlich. Sogar die Monopolkommission – ein Beratergremium der Bundesregierung – dringt auf verstärkte Beobachtung der oft undurchschaubaren Preisbildung im Internet-Handel.

Preise vergleichen

Hilflos ausgeliefert sind die Verbraucher dem Treiben allerdings nicht. „Es ist das alte Spiel. Wenn sie günstigere Preise haben wollen, müssen sie sich bei der Suche mehr Mühe geben und mehr Zeit investieren. Dann finden sie wahrscheinlich ein noch günstigeres Angebot“, rät der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU.

Dabei hilft auch das Internet. Mit Preissuchmaschinen wie idealo.de oder guenstiger.de, aber auch mit Preistrackern wie camelcamelcamel.com. Letztere Website bietet für Amazon Preisverlaufsdiagramme, die dabei helfen, den aktuellen Preis einzuschätzen – und auch einen Preisalarm, der den Verbraucher informiert, wenn ein Wunschpreis erreicht wird.

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