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17. Oktober 2017 | 02:52 Uhr

Niemand will die „Siderfly“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Havarie-Frachter liegt seit Wochen im Brunsbütteler Hafen – ihm droht das Schicksal des 2012 versteigerten rostigen Dauergastes „Rosethorn“

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Die Angst, welche Amtsnautiker Wilhelm Lohmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel in Dithmarschen, kurz WSA, dieser Tage umtreibt, wäre eine Wiederholung eines Langzeit-Albtraums. Erinnerungen an die ,,Rosethorn“ werden wach. Am 3. August 2008 machte der 63 Meter lange Stückgut-Frachter aus Kingstown (Karibikinsel St. Vincent) nach einem Maschinenschaden am Brunsbütteler Kanal-Südkai fest – und blieb vier Jahre lang dort liegen. Die Besatzung aus Russen, Ukrainern und Kroaten blieb noch monatelang auf dem Schiff – ohne jede Heuer. Als Letzter verließ im Februar 2009 der Erste Offizier den an der Kette liegenden Frachter. Die Reederei Brodo Trading Ltd. ließ nie etwas von sich hören. Am 25. April 2012 wurde die ,,Rosethorn“ schließlich zwangsversteigert und ging zum Verschrotten nach Dänemark. Fast 170 000 Euro waren damals allein an Liegegebühren aufgelaufen, 105 000 Euro brachte die Zwangsversteigerung.

Jetzt bahnt sich eine ähnliche, möglicherweise unendliche Geschichte an: Seit dem 6. November liegt die ,,Siderfly“ nun am Südkai im Brunsbütteler Kanalhafen – ausgerechnet auf dem ehemaligen Liegeplatz der ,,Rosethorn“. Auch die „Siderfly“ fährt unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen. Sie war am 28. Oktober, wenige Stunden bevor Orkan Christian mit Rekord-Böen über Schleswig-Holstein zog, auf dem Nord-Ostsee-Kanal nahe der Brunsbütteler Hochbrücke mit dem Gastanker „Coral Ivory“ zusammengestoßen und halb gesunken. Tagelang lag sie an der Kanalböschung und blockierte das Fahrwasser. Nach dem Löschen der Ladung (3800 Tonnen Harnstoff für Düngemittel) bekamen Fachleute das hundert Meter lange Schiff am 6. November wieder schwimmfähig und verholten es an den Südkai. Seither liegt die „Siderfly“ dort.

Seitens der Reederei aus Estland hört man nichts. Doch um die ,,Siderfly“ wie einst die ,,Rosethorn“ zwangsversteigern zu können, müsste der Eigentümer das Schiff zuvor aufgeben. ,,Noch würden wohl nach Abzug aller Kosten ein paar Euro über bleiben für den Reeder“, meint WSA-Pressesprecher Thomas Fischer. Doch mit jedem Tag mehr, den die ,,Siderfly“ am Südkai liegt, steigen die Kosten. Allein 370 Euro betragen die täglichen Liegegebühren. Um die 14 000 Euro beziffert Fischer die inzwischen aufgelaufenen Kosten. Auch eine Reparatur des Schiffes wäre vorstellbar. Doch egal, ob Reparatur oder Verschrottung, noch liegt die Entscheidung beim Eigentümer der ,,Siderfly“ – und das lässt Willi Lohmann, als dem seitens der WSA Verantwortlichen für das Schiff, mit unguten Gefühlen an die lange Liegezeit der ,,Rosethorn“ zurück denken.

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