Radbruch ist Ehrenbürger : Neuwittenbeks erster Ehrenbürger

<p>Wilhelm Radbruch erhält die Ehrenbürgerurkunde von Waltraud Meier.</p>

Wilhelm Radbruch erhält die Ehrenbürgerurkunde von Waltraud Meier.

15 Jahre Bürgermeister, 34 Jahre Gemeindevertreter, 19 Jahre Wehrführer: Jetzt würdigte die Gemeinde Wilhelm Radbruchs Engagement.

shz.de von
30. Juni 2018, 13:42 Uhr

Neuwittenbek | So sprachlos hatten die Neuwittenbeker ihren langjährigen Bürgermeister wohl noch nie gesehen. Denn gestern erhielt Wilhelm Radbruch die Ehrenbürgerwürde seiner Heimat – es ist die Erste in der Geschichte der Gemeinde. „Es ist eine Wahnsinnsehre, überhaupt Ehrenbürger zu werden, und dann noch der Erste zu sein.“

Radbruchs langjähriges ehrenamtliches Engagement hat diese Würdigung möglich gemacht: In den vergangenen 15 Jahren war der heute 71-Jährige Neuwittenbeks Bürgermeister. Vor seiner Amtszeit war er 19 Jahre lang Wehrführer und insgesamt 34 Jahre Gemeindevertreter.

„Du bist ein Anker des Ehrenamts“, richtete Matthias Meins, Direktor des Amtes Dänischer Wohld, seine Worte an den Geehrten. „Du bist stets auf uns in der Verwaltung zugekommen, warst immer offen, freundlich und manchmal aufbrausend. Das war immer sehr schön.“ Nach dem Motto „Frag nicht, was die Gesellschaft für dich tun kann – frag lieber, was du für die Gesellschaft tun kannst“, habe sich Wilhelm Radbruch stets vorbildlich für die Gemeinde eingesetzt, sagte dessen Stellvertreter Bernd Brandenburg.

Dabei ist es gar nicht so überraschend, dass sich Landwirt Radbruch seit seinem ersten Ehrenamt mit 24 Jahren beim Maschinenring Eckernförde ein ums andere Mal freiwillig einsetzte. „Die Familie Radbruch muss genetisch eine Nähe zur Kommunalpolitik und zur Kommune haben“, so Brandenburg. Denn schon Radbruchs Großvater Wilhelm war Gemeindevertreter in Neuwittenbek. Ebenso wie dessen Sohn Georg für 20 Jahre, acht Jahre war der Vater des gestern Geehrten sogar Bürgermeister. Und Urgroßvater Peter Radbruch zeichnete als erster Wehrführer der Neuwittenbeker Feuerwehr verantwortlich. Zu den Projekten innerhalb Wilhelm Radbruchs Amtszeit zählte Bernd Brandenburg die Sanierung und die Erweiterung des Kindergartens sowie die erneuerte Klaus-Stein-Halle. Doch an all dem könne man einen Bürgermeister nicht messen, immerhin sei nicht er allein dafür verantwortlich. „Was einen Bürgermeister aber auszeichnet, ist, dass er seinen Laden zusammenhält und Projekte vorantreibt. Und das hast du hervorragend getan.“ Brandenburg fügte hinzu: „Du kannst gut schnacken und auf Leute zugehen. Manchmal weißt du auch nicht, wo das Ende ist, aber du kriegst immer die Kurve.“

Neuwittenbeks neue Bürgermeisterin Waltraud Meier schloss sich der Lobrede an: „Wir hatten in den ganzen Jahren immer ein nettes Verhältnis in der Gemeindevertretung, und das lag ganz viel an dir, Wilhelm. Dafür möchte ich dir danken.“ Die Liste der Gratulanten war an diesem Abend lang: Bürgermeister der Region, Feuerwehr, Sportvereine und Gemeindevertreter waren zu Ehren Wilhelm Radbruchs in die Alte Scheune gekommen. Ehrenämter seien gewissermaßen Selbstläufer, erklärte Wilhelm Radbruch. „Wenn man ein Ehrenamt macht, kommt das Nächste fast automatisch.“ Und: „Wenn man feststellt, dass die Dinge an einem vorübergehen, kann man sich einbringen oder die Decke über den Kopf ziehen“, sagte der frisch gebackene Ehrenbürger. Und Letzteres sei überhaupt nicht sein Ding. So ließ er sich als Gemeindevertreter aufstellen. „Und es war eine großartige Sache, es hat immer viel Spaß gebracht.“

Vor zwei Wochen hat Waltraud Meier Wilhelm Radbruch im Amt des Bürgermeisters abgelöst. Der Kutschenfan will sich jetzt stärker seiner Familie – seiner Frau und der Enkeltochter (1) – widmen. Sohn Jan (39) ist längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten – er ist Teil der neuen Gemeindevertretung. Alle Ehrenämter kann Wilhelm Radbruch dann aber doch nicht sein lassen. „Ich bin noch im Aufsichtsrat einer Versicherung. Das möchte ich auch gern weitermachen.“ Und als Stellvertreter im Wasserbeschaffungsverband „trifft man alle Kollegen wieder, das ist ganz nett“.

Eigentlich wollte er die Ehrenbürgerwürde gar nicht, sagte Wilhelm Radbruch. Doch die Gemeindevertreter hatten den Beschluss, ihren Noch-Bürgermeister zum Ehrenbürger zu machen, heimlich in dessen Abwesenheit gefasst. „Ich war überwältigt davon.“ Nur eine Sache ist da noch: „Ich habe gedacht, ich müsste jetzt keine Steuern mehr bezahlen, aber das ist leider nicht daran gekoppelt“, sagt Neuwittenbeks Ehrenbürger lachend.

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