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Neues Lager für rostige Atomfässer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

18 Behälter in Brunsbüttel korrodiert / Wieder Debatte um Zwischenlager

Sie müssen weg – alle. Die 613 Fässer mit mittel- und schwachradioaktivem Abfall in den Kavernen unter dem Kernkraftwerk Brunsbüttel werden geräumt. Das erklärte gestern Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). 70 Fässer hat Kraftwerksbetreiber Vattenfall bislang mit einer Spezialkamera inspiziert, 18 davon sind zum Teil so stark verrostet, dass sie auseinanderfallen könnten, wenn sie angehoben werden. Vattenfall hat deshalb eine Bergetechnik entwickelt, mit der der Müll umverpackt werden kann. Damit soll 2015 begonnen werden, wenn sämtliche Fässer inspiziert worden sind – vermutlich sind weitere korrodiert.

Ein Teil der umverpackten Fässer soll dann in die bereits auf dem Kraftwerksgelände stehende Transportbereitstellungshalle gebracht werden, von wo die Behälter ins Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Schacht Konrad in Niedersachsen gebracht werden sollen. Allerdings rechnet Vattenfall erst zwischen 2021 und 2025 mit einer Inbetriebnahme. Weil bis dahin nicht alle Fässer aus den Kavernen in der Halle Platz finden, hoffen Experten der Atomaufsicht, dass möglichst noch im Sommer der Bau einer neuen Halle genehmigt wird, die den radioaktiven Schrott aufnehmen soll, der beim Abriss des Kraftwerks anfällt. Dort könnten auch alle Fässer aus den Kavernen gelagert werden.

Unterdessen ist die Zwischenlagerung von hochradioaktivem Müll in Brunsbüttel ein Stück weiter in die Ferne gerückt. Laut einer Liste aus dem Bundesumweltministerium gibt es Einwände gegen sechs von möglichen 14 Standorten für die Zwischenlagerung von Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield – darunter auch Brunsbüttel. „Es ist schwer zu kommunizieren, dort weitere Castoren einzulagern, wenn es keine rechtsgültige Genehmigung für das Zwischenlager gibt“, sagt Habeck.

Seit zehn Jahren gibt es einen juristischen Streit über die Genehmigung des Lagers zwischen einem Anwohner und dem Bundesamt für Strahlenschutz sowie Vattenfall. Habeck bezeichnete die Liste als „Suche nach einer technischen Lösung“. Sie schließe kein Zwischenlager aus. „Alle Standorte sind potenziell geeignet, denn viele sind gut zugänglich und haben ordentlich Platz“, so Habeck. Er hat angeboten, dass Schleswig-Holstein Atommüll aus Sellafield aufnimmt, wenn mindestens zwei weitere Bundesländer ebenfalls nuklearen Abfall zwischenlagern. Bislang ist dazu aber nur Baden-Württemberg bereit. Ob die Zwischenlager an den Kraftwerken Brokdorf und Krümmel als mögliche Lagerstätten in Betracht kommen, wenn Brunsbüttel gestrichen wird, bezeichnete Habeck als „Spekulation“. Seite 3

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erstellt am 19.Feb.2014 | 15:37 Uhr

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