Neuer Beirat soll die Energiewende retten

Bei seiner ersten Tagung fordert das Gremium einen zügigen Ausbau der Netze

Kay Müller von
07. März 2014, 13:04 Uhr

Was so etwas wie sein Motto sein könnte, sagt Energiewendeminister Robert Habeck erst ganz zum Schluss: „Ich bin ja immer mehr so der Umarmer.“ Das bezieht der Grüne auch durchaus auf die Mitglieder des unabhängigen Beirates für Energiewende und Klimaschutz, der gestern zum ersten Mal im Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) getagt hat. Ein großer Titel für einen einmal im Jahr stattfindenden Gesprächskreis von Wissenschaftlern, Politikern, Naturschützern und Verwaltungsleuten. Zum Auftakt geht es um den Netzausbau. „Schleswig-Holstein ist das Energiewendeland. Um hier stark zu sein und die Energiewende im Einklang mit Natur und Land zu gestalten, ist es wichtig, dass sich die Akteure eng vernetzen“, sagt Habeck. Probleme sollen hier besprochen, Konflikte frühzeitig erkannt und beigelegt werden.


Netzbetreiber sollen Schäden im Watt ausgleichen


Einig sind sich fast alle Teilnehmer, die sich hier gegenseitig zeigen, dass sie wichtig sind, dass der Netzausbau schneller voran kommen muss. „Allerdings nicht um jeden Preis“, sagt Hans-Ulrich Rösner vom WWF, der Netzbetreiber Tennet auffordert, Eingriffe in die Natur an Ort und Stelle auszugleichen. Denn das Nordlink-Kabel, das auch Tennet nach Norwegen legen will, laufe zu zehn Prozent durch den Nationalpark Wattenmeer. „Für die Netzbetreiber ist das eine Goldquelle, da können sie sich auch mehr bemühen, den Schaden für die Natur im Watt auszugleichen“, fordert Rösner. So könne man diskutieren, Geld in einer Stiftung für den Nationalpark anzulegen, um etwa Fischer aus der Nutzung herauszukaufen – eine Forderung, von der die wenig begeistert sein werden.

Doch gestern dominiert unter den Teilnehmern zunächst die Harmonie, allerdings gibt es weitere kritische Anmerkungen im öffentlichen Teil, zu dem einige Gäste gekommen sind. Warum nicht erwähnt werde, dass der Strompreis im Zuge der Energiewende immer weiter steige, will ein Bürger wissen. „Richtig ist, dass die Energiewende Geld kostet“, sagt Professor Olav Hohmeyer, Klimaforscher an der Uni Flensburg. „Allerdings werden die erneuerbaren Energien 2035 kostengünstiger sein als die konventionellen.“ Es gebe keine Alternative, wolle man Treibhausemissionen mindern und das Klima schützen. Und auch die Folgen des Klimaschutzes zu bekämpfen koste Geld, ergänzte Habeck. „Ich gebe als Minister 70 Millionen Euro im Jahr für Deicherhöhungen aus.“

Und so werden die Einwände leiser. Nur die Bürgerinitiativen von der Westküste, die gern die dortige Höchstspannungsleitung unter die Erde gelegt hätten, sind enttäuscht, dass sie nur als Gäste beim Energiewendebeirat dabei sein dürfen. Ein Vertreter drückt Habeck am Ende einige Papiere in die Hand, die Argumente für das Erdkabel beinhalten sollen. Ein Kabel, das selbst Naturschützer Rösner für derzeit unrealisierbar hält. Selbst Umarmer Habeck kann nicht alle in seine Debattenzirkel integrieren.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert